Tanja Nadolny ist die geborene Gastgeberin. „Ich möchte immer, dass es den Menschen um mich herum möglichst gut geht“, sagt sie. Im Privaten muss sie sich manchmal bewusst daran erinnern, diese Rolle zwischendurch abzulegen. Im Beruflichen passt sie perfekt zu dem, was sie tut.
Vor fünf Jahren hat die gelernte Hotelfachfrau das Teestübchen im Schnoor übernommen. Zuvor war sie an vielen Orten der Welt tätig, seitdem kommt die Welt zu ihr. „Darum mag ich die Touristen so gerne“, erzählt die 40-Jährige. „Sie kommen hierher, nehmen sich Zeit für eine Pause und sind zufrieden.“
Zeit nehmen: Das braucht es auch für eine klassische Teatime, wie sie die Briten traditionell am Nachmittag zelebrieren. Weil sie ein Faible für die vornehme britische Lebensart hat, bietet Tanja Nadolny das charmante Ritual jeden Tag auch in ihrem Teestübchen an. Allerdings nur nach Anmeldung, denn alle Zutaten sind stets frisch zubereitet – die Scones (süßes Gebäck) ebenso wie die Marmelade, die Clotted Cream (Streichrahm), die Sandwiches und das Shortbread. Und natürlich der Tee, den die Gäste abhängig von der jeweiligen Sorte nach perfekt abgestimmter Ziehzeit serviert bekommen.
Das ist allerdings auch schon so ziemlich das einzig Perfekte, was die Chefin in ihrem vierstöckigen Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert zulässt. „Ich war oft in London und habe mir in vielen Teehäusern angesehen, wie es die Briten machen“, berichtet sie. „Das Allerschönste, was mir da jedes Mal auffällt: Die Tasse passt nicht zur Untertasse, der Deckel nicht zur Kanne. Das beruhigt mich immer enorm, weil ich es perfekt nicht mag.“
So kam letztlich auch ihre liebste Freizeitbeschäftigung in ihr Leben: Mr. Bean, ein junger Rhodesian Ridgeback. „Meine Schwester sagt oft, dass der Hund ist wie ich“, sagt Tanja Nadolny. „Er hat einen eigenen Kopf und macht, was er will.“ Für diese Eigenschaften sei die Rasse bekannt – wie auch dafür, dass sie eine klare Führung brauche. „Ich habe mir gedacht, dass ich das an Mr. Bean gut üben kann“, meint die 40-Jährige. Denn da kommt ihre Rolle als Gastgeberin, die sehr auf das Wohl der Menschen in ihrem Umfeld bedacht ist, wieder ins Spiel. Sie habe erst lernen müssen, dass es in der Mitarbeiterführung manchmal klare Ansagen brauche: „Da ist der Hund jetzt mein bester Coach.“