Die Anschläge vom 11. September 2001 jähren sich in diesem Herbst zum fünfundzwanzigsten Mal. Viele Menschen erinnern sich noch genau an den Tag, weil sie ahnten, dass er die Welt verändern würde. Die Bremer Künstlerin Regina Heygster wandelte ihre Erschütterung damals in Tatkraft um.
Sie hatte schon lange ein Werk schaffen wollen, das Hoffnung vermittelt, Mut macht und die Sehnsucht nach Frieden aufrechterhält – unabhängig von Herkunft, Glauben oder Weltanschauung. Das Projekt lag schon eine Weile in ihrer Schublade. Am 11. September 2001 war die Entscheidung für die Umsetzung des Bremer Friedenstunnels endgültig gefallen.
Der Weg von der ersten Skizze bis zur baulichen Vollendung forderte Beharrlichkeit und einen langen Atem. Fünfzehn Jahre dauerte es, das ambitionierte Vorhaben Realität werden zu lassen. Regina Heygster gründete dafür den Verein „Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen e.V.“, klopfte an Türen, spann Netzwerke und sicherte sich Stück für Stück die Unterstützung vieler Beteiligter. Ansässige Unternehmen steuerten Geld, Arbeitszeit, Personal und Bauteile bei. Jede Kachel und jede Strebe des Tunnels erzählt damit heute auch von der lokalen Wirtschaft. „Der Friedenstunnel ist ein Projekt von ganz vielen Menschen“, sagt die Künstlerin.
Musik ist lauter als Krieg
Das bundesweit – wenn nicht gar weltweit – einmalige Wahrzeichen ist zu einem lebendigen Kulturort geworden. Zwischen April und Oktober gibt es jeden Sonntag um 12 Uhr die „Friedensklänge im Friedenstunnel“ mit Musik von Rock und Pop bis hin zu orchestralen Klängen. Die Konzerte tragen eine Symbolik in sich: Während der Stadtlärm anhält, als Sinnbild für laute, störende Konflikte dieser Welt, hält die Musik im Tunnel dagegen, und ist immer ein bisschen lauter. Auf Anfrage organisiert der Verein auch Führungen – beispielsweise als Team-Event oder für internationale Geschäftspartner.
Egal, ob beim Konzertbesuch oder beim Durchlaufen: Regina Heygster wünscht sich, „dass die Menschen sich hier wohlfühlen.“ Dass die Hoffnung auf Frieden im Tunnel gestärkt wird. Auffällig ist, dass es kaum Vandalismus gibt. Passantinnen berichten, wie der helle, in warmen Regenbogenfarben erleuchtete Tunnel ihnen Geborgenheit und Sicherheit spendet. Mittlerweile ist der Tunnel auch Station des Jakobswegs (Baltic Route) und die Künstlerin hat diverse Auszeichnungen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande, erhalten.
Hanseatischer Bürgersinn
Der Friedenstunnel ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein atmendes Projekt, das Pflege und Zuwendung braucht. Der Verein trägt die Erhaltungskosten aus eigenen Mitteln, auf Spendenbasis. Zum Jubiläum am 11. September lädt der Verein in den dann gesperrten Tunnel zu einem großen Fest ein. Zeitgleich erscheint ein Buch, das die Geschichte des Friedenstunnels erzählt. Aktuell ist zudem geplant, eine Treuhandstiftung zu gründen.
Unternehmen und Privatpersonen, die am Gemeinschaftsprojekt „Friedenstunnel“ teilhaben möchten, sind eingeladen, sich bei der Vereinsvorsitzenden Regina Heygster zu melden.
Kontakt:
Regina Heygster, Tel. 0421-17519275
info@friedenstunnel.de