Bremerhaven: Schöner arbeiten und wohnen

Mit vielen großen und kleinen Maßnahmen will die Stadt Bremerhaven ihre Aufenthaltsqualität erhöhen und sich für neue Einwohner interessant machen.

Bremerhavens Haushalt leidet unter einer extrem hohen Pendlerquote: Rund die Hälfte aller Arbeitskräfte zahlt ihre Einkommensteuer in Niedersachsen. Die Infrastruktur muss dennoch für alle Menschen instandgehalten werden, die sich in der Stadt aufhalten. Diese Aufgabe ist auch dadurch nicht leichter geworden, dass die Einwohnerzahl seit dem Höchststand von rund 150.000 auf mittlerweile noch rund 120.000 gesunken ist. Die Werftenkrise hinterlässt bis heute ihre Spuren.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Stadt dennoch bereits stark modernisiert. Rund um den Alten und Neuen Hafen sowie das Schaufenster Fischereihafen sind zahlreiche Touristenattraktionen wie das Klimahaus und das Deutsche Auswandererhaus entstanden. Auch der Wissenschaftsstandort mit dem Alfred-Wegener-Institut, dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Hochschule Bremerhaven und weiteren Einrichtungen hat stark an Renommee gewonnen.

Viele Großprojekte für die kommenden Jahre

Dieser Elan soll jetzt mitgenommen werden, um die Attraktivität der Stadt für Einwohner und Unternehmen durch gezielte Stadtentwicklungsprojekte weiter zu steigern. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen das Werftquartier, in dem ein ganz neues Viertel mit attraktiven Wohnangeboten entstehen soll, das Lunedelta, in dem vor allem junge und innovative Unternehmen ein attraktives Zuhause finden sollen, und die Innenstadtentwicklung rund um das abgerissene Karstadtgebäude, die dem Einzelhandel neuen Schwung verleihen soll. Hinzu kommen weitere vielversprechende Projekte wie die Revitalisierung des Kistner-Geländes oder die kostspielige Sanierung des Scharoun-Baus. Dieser ist seit sieben Jahren für die Öffentlichkeit geschlossen, spielt für die Zukunft des Deutschen Schifffahrtsmuseums als nationales Forschungsmuseum aber eine zentrale Rolle.

Während die Stadt diese Projekte vorantreibt, ist sie jedoch ständig mit einer Herausforderung konfrontiert: die finanziellen Mittel sind äußerst begrenzt. Baudezernent Maximilian Charlet, der das Amt im März 2025 übernommen hat, war zuvor für die Unternehmensberatung McKinsey tätig und bringt daher die Perspektive der Privatwirtschaft mit in die Politik. Er ging zunächst daran, sich einen Überblick über die laufenden Kosten für die Instandhaltung von Infrastruktureinrichtungen wie Straßen, Brücken und Schienen zu verschaffen. Das Ergebnis war ernüchternd: „Die Aufgabe ist gewaltig“, sagt er.

Der Instandhaltungsstau mache es notwendig, einen Rhythmus zu finden, der die kontinuierliche Aufrechterhaltung der Infrastruktur ermöglicht. Das Sondervermögen des Bundes und die angekündigten 1,35 Milliarden an Investitionen in den Ausbau Bremerhavens zu einem maritimen Logistik-Hub für die Nato und den Operationsplan Deutschland seien hilfreich, um einen Teil des Sanierungsstaus abzubauen, sagt Charlet. Sie seien jedoch keine dauerhafte Lösung.

Abwanderung an den Stadtrand umkehren

Um den Standort für Einwohner wieder attraktiver zu machen, setzt Charlet sich unter anderem für die Modernisierung von Wohnhäusern und ganzen Straßenzügen ein, die sich in einer Abwärtsspirale befinden und zum Teil zu sozialen Brennpunkten geworden sind. „Wir haben ein relativ hohes Angebot an einfachem Wohnraum, der nicht instandgehalten wird“, hebt er hervor. „Viele der Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert wären an anderen Standorten heißbegehrt.“

Verschiedene Maßnahmen sollen helfen, die Eigentümer zu mehr Engagement für ihre Immobilien zu motivieren, darunter Bauberatungen und ein Sanierungspreis. In manchen Fällen sei die Vernachlässigung von Mietwohnungen allerdings auch auf fragwürdige Geschäftspraktiken zurückzuführen, bei denen Sozialleistungsbezieher, häufig aus dem EU-Ausland, in kaum instandgehaltenen Wohnungen eingemietet werden, so Charlet. Hier schaut die Stadt seit diesem Jahr mithilfe eines behördenübergreifenden Vorgehens von Bauordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Jobcenter genauer hin – auch um wieder eine tragfähigere soziale Durchmischung zu erreichen. „Der cool-herbe Charme von Bremerhaven spricht viele Menschen an, aber die Themen Sicherheit und Ordnung sind unumgänglich, damit Menschen sich wohl fühlen – und weiter der Problemlösekompetenz des Staates vertrauen.“

Darüber hinaus erwarteten gerade die jüngeren Zielgruppen vom Leben in der Stadt ein „urbanes Grundrauschen“, sagt Charlet. Entsprechende Angebote in Bereichen wie Kultur und Sportvereinen dürften nicht zu sehr den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. Das Thema werde auch durch viele kleine Initiativen in den Stadtteilen angegangen, die das Dezernat von Charlet unterstützt. Auch der Bau des „Novo“ in der Innenstadt als „Dritter Ort“ werde die urbane Landschaft bereichern, indem eine moderne, multimediale Stadtbücherei mit einem Jugendgästehaus und gastronomischen Angeboten unter einem Dach vereint werden sollen. In der Summe können die vielen kleinen und großen Maßnahmen helfen, noch mehr Menschen für ein Leben in Bremerhaven zu begeistern, ist Charlet überzeugt.

Bild oben:
So könnte das Werftquartier in Zukunft aussehen.
Visualisierung: Mandaworks