In Bremerhavens Süden entsteht derzeit ein Vorzeigeprojekt für den Strukturwandel an der Nordseeküste. Mit dem Gewerbegebiet Lunedelta entwickelt die BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven im Auftrag der städtischen Entwicklungsgesellschaft BEAN eine rund 150 Hektar große Fläche, die Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum gezielt verknüpfen soll. Der Fokus liegt auf Unternehmen der Green Economy.
Im besten Fall könnten in dem Gewerbegebiet mehr als 4000 Arbeitsplätze entstehen, die ein nachhaltiges und inspirierendes Umfeld bieten. Damit würde das Lunedelta, das einst in Teilbereichen zum mittlerweile gescheiterten Offshore-Terminal Bremerhaven ausgebaut werden sollte, ein Happy End erleben – mit einem Kompromiss aus Ökologie und Ökonomie.
Attraktive Räumlichkeiten für Start-ups
Als Auftakt- und Leuchtturmprojekt des Areals fungiert das Gründungs- und Innovationszentrum Luniq, das Ende dieses Jahres fertig sein und Anfang 2027 die ersten Mieter aufnehmen soll. Für Gründerinnen und Gründer sowie junge Unternehmen stehen dann rund 5.500 Quadratmeter an Büro-, Werkstatt- und Co-Working-Flächen zur Verfügung.
Aufgrund der ökologisch sensiblen Lage direkt neben dem Naturschutzgebiet Luneplate wird nicht nur eine behutsame Flächenentwicklung angestrebt, sondern auch eine nachhaltige Bauweise der Gewerbeimmobilien. Das Luniq setzt architektonisch auf das Nachhaltigkeitsprinzip des „Cradle-to-Cradle“-Ansatzes (von der Wiege zur Wiege): Wenn das Gebäude eines Tages abgerissen werden muss, sollen das Müllaufkommen minimiert werden. Bei der Auswahl und Verarbeitung der Materialien für das Luniq wurde darauf geachtet, dass möglichst viele Rohstoffe nach der Nutzung schadstofffrei in den biologischen oder technischen Kreislauf zurückgeführt werden können.
Konkret bedeutet das: Die Konstruktion setzt stark auf zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft, wodurch im Vergleich zu Standardbauten erhebliche Mengen an Stahl und Beton eingespart werden. Die Fassade besteht zu rund 60 Prozent aus Recyclingglas. Darüber hinaus sind die Bauteile nach Möglichkeit so verbaut, sodass sie sich beim späteren Abriss leicht trennen lassen. Der Energiebedarf wird unter anderem durch Photovoltaik und Geothermie gedeckt.
Platz für großflächige Industrieansiedlungen
Die Erschließung des restlichen Gewerbegebiets erfolgt in mehreren Abschnitten. Unmittelbar nutzbar sind das sogenannte Initialcluster (8.000 Quadratmeter) neben dem Luniq sowie die südlichen „Commons“-Flächen (20.000 Quadratmeter) für Dienstleistungen und Mischnutzungen, da diese bereits auf Straßenniveau aufgesandet sind. Für großflächige Industrieansiedlungen steht zudem die rund 33 Hektar große „L-Warft“ bereit. Sie ist in drei flexibel nutzbare Baugrundstücke mit jeweils mindestens zehn Hektar unterteilt und kann je nach Bedarf von einem einzelnen Unternehmen oder von bis zu drei Betrieben genutzt werden. Laut Bebauungsplan sind dort auch bis zu drei Windenergieanlagen zur Eigenstromerzeugung zulässig.
Kleinere und mittlere Grundstücke (S- und M-Warften) befinden sich in der Vorbereitung: Erste Aufsandungen starten in diesem Jahr, die ersten Flächen sollen ab Ende 2027 zur Verfügung stehen.
Die BIS Bremerhaven konzentriert ihre Vermarktung zunächst primär auf das Luniq, um das Gründerzentrum als innovativen Kern des Gebiets zu etablieren. Laut BIS laufen zurzeit Verhandlungen mit Interessenten. Eine regionalökonomische Analyse für das gesamte Lunedelta hat die Prognos AG im vergangenen Jahr geliefert, allerdings sind Voraussagen über das Potenzial an Arbeitsplätzen schwierig, weil die Beschäftigung stark von den Branchen abhängt, die sich ansiedeln. Die Autoren der Studie haben daher drei Szenarien vorgestellt: Im konservativen Verlauf wird mit rund 1.500 direkten Arbeitsplätzen im Gebiet gerechnet. Verläuft die Ansiedlung optimal, könnten bis zu 4.100 Arbeitsplätze direkt vor Ort entstehen. Unter Einbeziehung indirekter Beschäftigungseffekte durch Zulieferer, Logistik und Dienstleister im gesamten Stadtgebiet prognostiziert die Analyse langfristig ein Potenzial von bis zu 5.000 Arbeitsplätzen für Bremerhaven.
Bild oben:
Das Innovationszentrum Luniq soll Ende 2026 fertig sein und Anfang 2027 die ersten Mieter aufnehmen.
Foto: Antje Schimanke