Upgrade für die Jacobs University

Der neue Eigentümer hat angekündigt, rund 50 Millionen Euro in die Privatuniversität zu investieren. Damit will er die Kapazitäten erweitern, aber auch die Lehre modernisieren und Ausgründungen ankurbeln.

Seit Mitte Dezember steht es fest: Die Mehrheitsanteile an der Jacobs University Bremen gGmbH (JUB) liegen jetzt in den Händen der Schaffhausen Institute of Technology Genossenschaft (SIT). Die Privatuniversität hat seit der Eröffnung im Jahr 2001 eine beachtliche wissenschaftliche Entwicklung genommen, finanziell aber immer wieder den Boden unter den Füßen verloren. Damit soll jetzt Schluss sein: Dr. Serguei Beloussov, Vorsitzender des SIT, geht in die Offensive.

„SIT und JUB werden sich zu einer weltweit führenden wissenschaftlichen Einrichtung entwickeln und die Jacobs University umgestalten, um die neue Generation von Technologieführern auszubilden“, kündigt Beloussov an. Für diese Mission hat er namhafte Mitstreiter rekrutiert, die sich teilweise im Aufsichtsrat engagieren. Dazu gehört beispielsweise Professor Mark Kamelt, der 14 Jahre in leitender Funktion die Geschicke der Carnegie Mellon University mitgestaltet hat. Die Privatuniversität in Pittsburgh, einer ähnlich industriegeprägten Stadt wie Bremen, hat sich in den letzten 50 Jahren von einem eher regional ausgerichteten College zu einer internationalen Spitzenuniversität entwickelt. Beloussov, dessen Tochter die US-Universität besucht, sieht darin ein Vorbild für die Jacobs University.

Quantentechnologie und Nachhaltigkeit

Bis Mitte April will das neue Jacobs-Führungsteam mit Beloussov, Präsident Prof. Fabio Pammolli und Geschäftsführer Prof. Thomas Auf der Heyde eine Strategie für die künftige Ausrichtung der Jacobs University vorlegen. Beloussov erwartet, dass die Wirtschaft in den nächsten 25 Jahren von den Themen Quantentechnologie, Neue Materialien, Biowissenschaften, Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz geprägt wird. Dies soll sich auch in der Lehre und Forschung der JUB widerspiegeln. Gleichwohl sollen auch die Sozialwissenschaften weiterhin ihren Platz finden – er möchte sie nur „moderner und relevanter für die echte Welt“ machen. Dazu gehört, dass alle Studierenden künftig in das Programmieren eingeführt werden und in den Fachbereichen digitale Technologien nutzen sollen.

Es gibt viele reiche Menschen auf der Welt, denen die Bedeutung von Forschung und Bildung bewusst ist.

Dr. Serguei Beloussov, Vorsitzender des Schaffhausen Institute of Technology

Weitere wichtige Maßnahmen stehen ebenfalls bereits fest. Schon im ersten Jahr will Beloussov bis zu 1500 zusätzliche Betten verfügbar machen – auf dem Campus oder in der Nähe, zum Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff. Der Campus soll „ultraschnelles“ Internet, große Hörsäle und eine „Verbesserung der Lebensqualität“ bekommen, vor allem bezüglich des Essens. Eine Besonderheit ist auch, dass ab sofort der Zugang zu Wagniskapital erleichtert werden soll. Als Gruppe investiere das SIT jährlich rund 250 Millionen Dollar in 75 Unternehmen, so Beloussov.

50.000 Studierende online

Innerhalb von fünf bis zehn Jahren sollen in einem „Quantum Technology and Materials Center“ bis zu 30.000 Quadratmeter für die Forschung und für Start-ups zur Verfügung stehen. Räumliche Expansionen können auf der Erweiterungsfläche des Science Park nördlich der JUB erfolgen. Mittelfristig soll darüber hinaus die Zahl der Vor-Ort-Studierenden auf 3000 verdoppelt werden – ergänzt durch 50.000 online und 8000 hybrid Studierende. Nicht zuletzt sind auch ein Viersternehotel, Sportanlagen sowie bessere Kantinen und Cafés auf dem Campus vorgesehen. All dies soll sich in angemessener Zeit refinanzieren durch:

  • Mehr Studierende
  • Reine Online-Studiengänge
  • Einwerbung von Mitteln für die Forschung
  • Fundraising und Stiftungskapital
  • Ausgründungen und Patentrechte

Beloussov ist zuversichtlich, dass Spenden für die JUB in Zukunft etwas großzügiger fließen werden. „Es gibt viele reiche Menschen auf der Welt, denen die Bedeutung von Forschung und Bildung bewusst ist.“ Auch zählt er auf die eigenen Absolventen: „Ich glaube, unsere Studierenden werden später wohlhabend sein und spenden. Wir müssen ihnen nur helfen, dorthin zu kommen.“