Tourismus: Neue Rekorde im Visier

Nach vorläufigen Schätzungen hat die Stadt Bremen 2025 zum dritten Mal in Folge einen neuen Rekord bei den Übernachtungen verzeichnet und die Vor-Corona-Zeit inzwischen deutlich übertroffen. Auch Bremerhaven erwartet einen Rekord bei den Übernachtungszahlen. Die zahlreichen Herausforderungen lassen die Unternehmen der Branche jedoch kaum zur Ruhe kommen.

Das Tourismusjahr 2026 wird aufregend: Auf der Aussichtsplattform des Atlantic Hotel Sail City öffnet zu Ostern die „High Swing Bremerhaven“, eine Schaukel in 86 Metern Höhe mit Blick auf die Wesermündung und integriertem Adrenalinkick. Für den Betreiber Bungee.de wird es der zweite deutsche Standort einer High Swing in Deutschland – nach dem Park Inn am Alexanderplatz in Berlin.

Bremerhaven verspricht sich von dem innovativen Angebot einen weiteren Schub bei den Übernachtungen, die bereits im ganzen Land Bremen einen Aufwärtstrend zeigen. Exakte Zahlen für das vergangene Jahr sind noch nicht verfügbar, aber die Tendenz ist bereits eindeutig: „Die Stadt Bremen strebt 2025 erneut einem Übernachtungsrekord entgegen“, berichtet Oliver Rau, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen mit Zuständigkeit für die Bereiche Marketing und Tourismus.

Auch Bremerhaven gehe von einem neuen Rekord aus, sagt Michael Gerber, Geschäftsführer der Erlebnis Bremerhaven GmbH. Die Stadt habe im vergangenen Jahr unter anderem von der Fertigstellung und Ausrüstung der „Disney Adventure“ profitiert. Auf dem Kreuzfahrtschiff hätten zeitweise mehr als 4000 Menschen gearbeitet, von denen viele in Hotels und Ferienwohnungen im Stadtgebiet untergebracht gewesen seien.

Für die Stadt Bremen wird es nach 2023 und 2024 bereits das dritte neue Rekordjahr hintereinander sein. Sie hat wahrscheinlich erstmals die Zahl von 2,5 Millionen Übernachtungen in einem Jahr überschritten, während Bremerhaven möglicherweise die 500.000 übertrifft – der bisherige Rekord von 2019 lag bei 465.000.

Tourismusstrategien sollen die Profile schärfen

Damit es so weitergeht, haben beide Städte ihre bestehenden Tourismusstrategien bis 2030 fortgeschrieben. Das Papier für Bremen soll Anfang März vorgestellt werden, das Bremerhavener Tourismuskonzept ist bereits veröffentlicht. In beiden Fällen geht es darum, Profilthemen stärker herauszuarbeiten. Die Städte positionieren sich dabei leicht unterschiedlich: Während Bremen schwerpunktmäßig auf die Zielgruppen des klassischen Städtetourismus setzt und auch mit Messen und Kongressen einen Fokus auf B2B-Reisende legt, bettet sich Bremerhaven verstärkt in die Tourismusregion an der Küste ein.

Eine zentrale Rolle spielt für die Seestadt die regionale Kooperation innerhalb der Tourismusagentur Nordsee GmbH (TANO). Bremerhaven präsentiert sich mit den weiteren Partnern unter dem Dach der TANO auf Messen in Österreich und der Schweiz. Für 2027 hat sich Bremerhaven mit Unterstützung der TANO auch um die Ausrichtung des Germany Travel Mart (GTM) beworben. Dabei handelt es sich um das internationale Branchen-Event der Deutschen Zentrale für Tourismus.

Die Klammer um beide Strategien bildet das Landestourismusprojekt „Zwei Städte – Ein Land“. Es sieht vor allem gemeinsame Marketingaktivitäten vor, zum Beispiel bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Die umfangreichen Marketingmaßnahmen, die nach Corona gesteigert wurden, um Gäste zurückzugewinnen, haben sich laut Oliver Rau ausgezahlt. Ein besonderer Fokus sei auf Freizeitreisende gelegt worden. Dies lasse sich jetzt an deren verändertem Gewicht unter den Gästen ablesen: Während das Verhältnis von Geschäftsreisenden zu Urlaubenden vor Corona noch 70:30 betragen habe, liege es nun bei 50:50.

Chancen der künstlichen Intelligenz nutzen

Trotz der positiven Tendenzen bei den Übernachtungen müssen die Unternehmen der Branche jedoch ständig in Bewegung bleiben, um mit den aktuellen Entwicklungen mitzuhalten. Viele Kunden legen mittlerweile großen Wert auf Nachhaltigkeit und verlangen entsprechende Angebote. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung zunehmende Anforderungen an die Betriebe und an das Stadtmarketing. Aktuell müssen alle Beteiligten herausfinden, wie sie die künstliche Intelligenz in ihre Arbeit und Angebote integrieren. Die WFB experimentiert beispielsweise mit dem „Citybuddy“, der den Kundinnen und Kunden maßgeschneiderte Tourismusangebote liefern soll. Potenzial hat laut Oliver Rau auch die automatische Übersetzung von Stadtführungen, da selten genügend Stadtführer mit den benötigten Sprachkenntnissen zu finden sind.

Nicht zuletzt hat sich auch das Buchungsverhalten der Gäste stark verändert. Statt lange im Voraus den Jahresurlaub zu buchen, werden spontane Kurzurlaube angesetzt, wenn die Wetter-App ein paar Tage Sonnenschein vorhersagt. „Damit müssen alle Destinationen umgehen“, sagt Michael Gerber. „Wir müssen gucken, welche Möglichkeiten zur Kundenbindung wir haben, um den Leuten einen Anlass zu geben, noch einmal nach Bremerhaven zu kommen.“

Tag der Deutschen Einheit das größte Event des Jahres 2026

Die stärkste Anziehungskraft haben im Stadtmarketing meistens große Events. So verzeichnete die Sail 2025 rund 1,4 Millionen Besucherinnen und Besucher, darunter überwiegend Tagestouristen. In diesem Jahr lockt Bremerhaven die Gäste unter anderem mit den Maritimen Tagen und dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt sowie mit der Fisch-Party und den Matjes-Tagen im Schaufenster Fischereihafen. Im nächsten Jahr soll ein besonderes Veranstaltungsprogramm zum 200-jährigen Stadtjubiläum für zusätzlichen Andrang sorgen.

Bremen hat sich das Ziel gesetzt, mindestens jeden Monat eine überregional relevante Großveranstaltung auszurichten. Highlights für dieses Jahr sind beispielsweise die Konzerte von Mark Forster (9. Juli) und Michael Patrick Kelly (11. Juli) auf der Galopprennbahn, das Rap-Festival „Turn Up BRMN“ auf der Bürgerweide, das internationale Radrennen „GFNY Bremen“ und vor allem der Tag der Deutschen Einheit, zu dem mehrere 100.000 Besucher erwartet werden.

Dehoga mit lachendem und weinendem Auge

Events wie diese sorgen dafür, dass der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband mit der aktuellen Situation relativ zufrieden ist. „Die Veranstaltungen sind für uns enorm wichtig“, betont Detlef Pauls, Vorsitzender des Dehoga Bremen und Inhaber des Hotel Munte am Stadtwald. Die Branche kämpft jedoch mit stark gestiegenen Preisen, beispielsweise für Lebensmittel, die sich nicht vollständig an die Kunden weitergeben lassen. Dies werde immerhin dadurch abgefedert, dass die Umsatzsteuer für Mahlzeiten in Gaststätten im vergangenen Jahr von 19 auf 7 Prozent gesenkt wurde. „Als Dehoga haben wir Jahrzehnte dafür gekämpft“, so Pauls. „Somit gilt nun endlich einheitlich für alle, die mit Lebensmitteln arbeiten, der gleiche Steuersatz von 7 Prozent.“

Allerdings hat sich die Politik schon wieder neue Belastungen einfallen lassen: die Verpackungssteuer sorgt in der Branche für viel Unmut. „Ich bin grundsätzlich dafür, dass man etwas zur Reduzierung des Verpackungsmülls tut“, sagt der Bremer Dehoga-Chef. „Aber nicht so. Das ist viel Aufwand und bringt der Umwelt nichts.“ Obendrein seien die Regelungen von Stadt zu Stadt unterschiedlich und teilweise absurd: Für eine Brötchentüte werde die Steuer nicht fällig – es sei denn, sie enthalte ein belegtes Brötchen. Ähnliches gelte für die Bettensteuer, auch Citytax genannt. Sie wurde zum 1. Januar 2026 auf 5,5 Prozent erhöht. „Hier wäre eine bundesweit einheitliche Regelung wünschenswert“, so Pauls.

Insgesamt beschäftigt der Tourismus im Land Bremen laut Wirtschaftsressort mittlerweile mehr als 32.000 Menschen. Michael Gerber geht es jedoch nicht allein um touristische Kennzahlen, sondern um das Lebensgefühl insgesamt. „Im Wettbewerb der Städte und Regionen wird entscheidend sein, wie gut Menschen dort und in ihren Zentren leben können“, betonte er beim Tourismusforum des Landes Bremen im November. „Nur wenn sich Einheimische in ihrer Stadt wohlfühlen und das gesellschaftliche Leben weiterhin funktioniert, entsteht auch für Gäste eine authentische, erlebbare Lebensqualität.“

Tourismus-Informationen der Handelskammer Bremen:
handelskammer-magazin.de/tourismus-infos

Dehoga Bremen:
dehoga-bremen.de

Bild oben:
Der Bremerhavener Kreuzfahrtterminal bringt viele Besucherinnen und Besucher in die Stadt, die vor der Abfahrt auch dort übernachten.
Foto: Wolfhard Scheer