Die Hafenanrainer im stadtbremischen Überseehafen haben ein gemeinsames Perspektivenpapier zum Projekt „CO₂-neutraler Überseehafen 2035“ vorgelegt. Das Papier zeigt: Eine vollständige Dekarbonisierung des Überseehafens bis 2035 ist technisch machbar – erfordert jedoch erhebliche Investitionen, einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien sowie gezielte regulatorische Anpassungen.
Kernstück der Analyse ist ein sogenannter digitaler Zwilling des Energiesystems im Überseehafen. In diesem wurde der heutige und zukünftige Energieverbrauch der beteiligten Unternehmen modelliert, um darauf basierend verschiedene Transformationspfade zu simulieren. Das zentrale Ergebnis: Die zurzeit noch stark fossil geprägte Energieversorgung des Hafens muss weitgehend elektrifiziert werden, insbesondere beim Containerumschlag, der Wärmeversorgung und bei der Mobilität im Hafen.
Lokaler Ausbau erneuerbarer Energien geplant
Das Perspektivenpapier nennt wichtige Maßnahmen für die Dekarbonisierung. Dazu gehört unter anderem ein umfangreicher Ausbau der lokalen Erzeugung erneuerbarer Energien: Bis 2035 könnte die Stromerzeugung aus Wind- und Photovoltaikanlagen im Überseehafen auf diese Weise von derzeit rund 8 GWh auf 237 GWh pro Jahr steigen.
Vorgeschlagen werden unter anderem bis zu zehn Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 60 MW sowie Photovoltaikanlagen mit einer Spitzen-Leistung von 100 MW unter idealen Bedingungen – vor allem auf Dächern, Carports und geeigneten Freiflächen. Ergänzend werden Batteriespeicher und perspektivisch auch kleinere Elektrolyseure zur Eigenverbrauchsoptimierung empfohlen.
Ein weiterer wesentlicher Baustein ist der Ausbau der Landstromversorgung. Mit der geplanten Installation von insgesamt bis zu zwölf Anlagen für Container- und Kreuzfahrtschiffe will Bremen einen wesentlichen Beitrag leisten, damit Schiffsbetreiber ihre CO₂-Emissionen und Luftschadstoffe in der Stadt reduzieren. Gleichzeitig steigt dadurch der Strombedarf deutlich, was den Ausbau erneuerbarer Erzeugung und leistungsfähiger Netze zusätzlich erforderlich macht.
Anpassungsbedarf beim rechtlichen Rahmen
Das Perspektivenpapier macht zugleich deutlich, dass die Dekarbonisierung derzeit vor allem durch einzelunternehmerische Maßnahmen vorangetrieben werden muss. Der geltende Rechtsrahmen begünstigt Eigenverbrauchslösungen, während gemeinschaftliche Modelle wirtschaftlich benachteiligt sind. Die Anrainer sehen hier dringenden Anpassungsbedarf, um Kooperationen zu erleichtern und Synergien im Hafengebiet besser nutzen zu können.
Vor diesem Hintergrund haben die beteiligten Unternehmen gemeinsam mit Bremenports vereinbart, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen und zu vertiefen. In vier Themenfeldern – Vernetzung und Kommunikation, Ermittlung des finanziellen Bedarfs, regulatorische Optimierung sowie „Blick auf Erfahrungen anderer Standorte“ – sollen konkrete Projekte entwickelt werden.
Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe benötigt
Insgesamt gehen die Anrainer von Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe aus, insbesondere für die Elektrifizierung der Prozesse, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Erneuerung der Wärmeversorgung. „Dass alle Beteiligten hier an einem Strang ziehen macht deutlich, dass es uns im Hafen eben nicht um ein grünes Feigenblatt geht“, betont Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. „Im Gegenteil – alle Anrainer und Unternehmen bringen sich aktiv und engagiert in diesen Prozess ein und wollen gemeinsam das Ziel der CO2-Neutralität im Überseehafen erreichen.“
Das Perspektivenpapier und weitere Informationen sind hier erhältlich:
bremenports.de/co2-neutraler-ueberseehafen
Bild oben:
Auf dem Weg zum CO₂-neutraler Überseehafen müssen die Abläufe im Containerumschlag elektrifiziert werden.
Foto: Wolfhard Scheer