Am 16. April fiel offiziell der Startschuss für die Hoi Startup Factory, die den Gründungsideen aus der regionalen Wissenschaftslandschaft eine erfolgreiche Umsetzung erleichtern soll. Die länderübergreifende Initiative wird von einem Konsortium aus regionalen Institutionen und Unternehmen vorangetrieben, darunter auch die Handelskammer Bremen.
Die Bundesregierung hatte 2024 den „Leuchtturmwettbewerb Startup Factories“ gestartet, um hochschulübergreifende, regional verankerte Gründungsökosysteme zu etablieren, die langfristig tragfähige Geschäftsmodelle aufweisen. Der Nordwesten gelangte mit seiner Bewerbung unter die 15 Finalisten, wurde aber nicht für eine Förderung ausgewählt. „Wir haben dann gesagt: Jetzt erst recht“, berichtete Handelskammer-Präses André Grobien beim offiziellen Auftakt der Hoi Startup Factory im Haus Schütting.
Hinter der Initiative stehen aktuell die Universitäten Bremen und Oldenburg, die Handelskammer Bremen, die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer, die Bremer Aufbau-Bank mit dem Starthaus Bremen und Bremerhaven, die Sparkasse Bremen, die EWE, die SWB AG, die Hansa-Flex Armerding GmbH, die Buhlmann Group Bremen sowie weitere Partner.
Die Geschäftsführung der Startup Factory haben Arne Stehnken und Sarah Fraikue übernommen – beide sind selbst bereits seit vielen Jahren in der regionalen Start-up-Szene aktiv. Gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitenden haben sie ihren Geschäftssitz im Innovationskontor Am Wall in Bremen.
„Die Ideen sind da, die Talente sind da“
„Der Nordwesten gehört zu den forschungsstärksten Regionen Deutschlands“, betonte Sarah Fraikue beim Startschuss des Projekts. „Bremen lag bei den Gründungen pro Einwohner zeitweise auf Platz 4 bundesweit. Die Ideen sind da, die Talente sind da. Und gleichzeitig sehen wir: Viele dieser Ideen schaffen es noch nicht, zu skalierbaren Unternehmen zu werden. Und die, die Potenzial haben, verlassen manchmal die Region.“
Der Blick auf das Venture Capital zeige: Das meiste Kapital fließe weiterhin in Städte wie Berlin oder München, so Fraikue. „Nicht weil es dort mehr Talente gibt, sondern weil sich dort über Jahre starke Ökosysteme entwickelt haben. Kapital folgt nicht nur Ideen, Kapital folgt Dynamik.“ Auch im Nordwesten gebe es viele starke Akteure und Angebote. „Was aber noch stärker werden kann, ist das Zusammenspiel.“ Die Startup Factory bringe nun vier Welten zusammen: Unternehmen, die sich transformieren müssen, Hochschulen und Studierende mit Potenzial, Forschende mit Ideen sowie Gründerinnen und Gründer, die diese Ideen umsetzen.
Ihr Co-CEO Arne Stehnken hob noch einmal die starke Überzeugung der Beteiligten für das Projekt hervor. „Mich persönlich hat es extrem motiviert, dass wir von Anfang an starke Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region hatten, die gesagt haben: Wir stehen dahinter, wir wollen das machen. Wir haben auch insgesamt neun Hochschulen, die zugestimmt haben, mitzumachen.“
Die entscheidenden Akteure der ganzen Region seien am Tisch, so Stehnken. Zunächst gehe es nun darum, die vielfältigen bestehenden Angebote transparent zu machen. Parallel wolle das Team in die Unternehmen gehen und herausfinden, welcher Bedarf im Bereich Forschung und Entwicklung besteht, um sie mit den passenden Partnerinnen und Partnern auf der Hochschulseite zu vernetzen. „Und im Idealfall kommt da am Ende eine Gründung bei heraus.“
Für etablierte Unternehmen sei das neue Angebot gerade durch den regionalen Aspekt sehr vielversprechend, erläuterte Christoph Wiegmann, Projektleiter Unternehmensentwicklung der SWB AG. Sein Unternehmen und dessen Mutter EWE kooperieren bereits seit mehr als zehn Jahren mit Gründerinnen und Gründern aus aller Welt. „Und die Erfahrung zeigt einfach: Die besten Erfolge in der Zusammenarbeit mit Start-ups finden in der Region statt.“ Bei Herausforderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz hätten junge Unternehmen besonders hohes Potenzial, berichtete er.
„Ohne Start-ups wäre das nicht möglich gewesen“
„Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie Start-ups Innovation treiben“, bestätigte Heiko Butz, Head of AI Strategy bei der Buhlmann-Gruppe. Das Unternehmen engagiere sich bei Start-ups finanziell und als Pilotkunde. So habe die Gruppe im April beispielsweise eine eigene KI-Lösung an 1.200 der weltweit 2.000 Mitarbeitenden ausgerollt. „Ohne Start-ups wäre das nicht möglich gewesen.“
Das Engagement für Start-ups kann auch ein Weg sein, dem Standort etwas zurückzugeben. „Die Entscheidung, die Hoi Startup Factory zu unterstützen, liegt ein Stück weit in der Überzeugung, das Richtige zu tun für unsere Region“, sagte Thorsten Armerding, Geschäftsführer der Hansa-Flex Armerding GmbH. Durch die eingesetzten Mittel werde ein Nährboden für künftige Gründungen und die Zuwanderung von Talenten geschaffen. Die Hansa-Flex AG sei selbst 1962 von Joachim Armerding auf Basis einer seinerzeit innovativen Idee gegründet worden, die sich durchgesetzt habe. „Diese Energie wollen wir weitergeben“, so Armerding.
Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger hob noch einmal das breite Bündnis hervor, das sich zum Ziel gesetzt habe, die Region Bremen-Oldenburg bis 2030 als einen der Top-Start-up-Standorte in Deutschland zu etablieren. Dies zeige sich auch bereits sehr erfolgreich am Bremen Venture Capital Fonds mit der Sparkasse als wesentlicher Treiberin und insgesamt 27 beteiligten Unternehmen aus der Region. Insgesamt seien dadurch 30 Millionen Euro Wagniskapital für regionale Projekte zur Verfügung gestellt worden.
Die Startup Factory ist laut Dr. Fonger für die Handelskammer auch ein Teil der Strategie zur Stärkung der Gründungsförderung. Die Handelskammer engagiere sich seit vielen Jahren für Existenzgründende, beispielsweise durch praxisorientierte Seminare und den „Turntable“ als Plattform für den Austausch aller Beteiligten. „Aber hier geht es jetzt um eine neue Dimension des gemeinsamen Machens“, so der Hauptgeschäftsführer. Die Factory organisiere das Zusammenkommen der Akteurinnen und Akteure „systematisch und dauerhaft“.
Weitere Informationen:
Hoi Startup Factory
hoi-startup-factory.de
Gründungsberatung der Handelskammer Bremen
handelskammer-magazin.de/gruendungsberatung
Bild oben:
Die Startup Factory wird von zahlreichen Institutionen und Unternehmen im Nordwesten unterstützt. Am 16. April wurde das Projekt in der Handelskammer Bremen vorgestellt.
Foto: Jörg Sarbach