Ob Landfahrzeug, Schiff oder Drohne – die Topas Industriemathematik Innovation gGmbH entwickelt Systeme, die Fahrzeugen ein hohes Maß an Autonomie ermöglichen sollen. Einsatzmöglichkeiten bestehen beispielsweise in der Logistik, im Tourismus und in der Schifffahrt.
Die Geschichte des autonomen Fahrens im Technologiepark Bremen begann mit einem Projekt, das den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden simulieren sollte. Der Projektträger fragte, ob es für die entwickelten Technologien auch Anwendungen auf der Erde gebe. „Als jemand vorschlug, Autos damit fahren zu lassen, haben erst einmal alle gelacht“, berichtet Dr. Mitja Echim, Geschäftsführer der Topas Industriemathematik Innovation gGmbH. Zehn Jahre später fahren jedoch nicht nur drei Autos autonom durch den Technologiepark, sondern das Topas-Team entwickelt auch intelligente Systeme für Schiffe, Drohnen und Roboter.
Mittlerweile ist die Technologie sehr nahe an der Praxistauglichkeit. Der erste echte Anwendungsfall steht unmittelbar bevor: Das Projekt „PortLink“, dessen Start für diesen Herbst geplant ist, soll den Bremerhavener Kreuzfahrtterminal zukünftig mit dem ÖPNV verbinden. Bis jetzt wird diese Lücke in der Regel noch mit Taxis geschlossen. Zusammen mit Bremerhaven Bus und dem Kreuzfahrtterminal hofft Topas, den den Testbetrieb nach vorbereitenden Arbeiten in eineinhalb Jahren aufnehmen zu können. Auf das Angebot könnten auch andere Touristen und Arbeitskräfte zugreifen, die zwischen dem Aussichtsturm und den Havenwelten unterwegs sind.
Intelligente Sensorik für die Weserfähre
Auch für die Schifffahrt bieten autonome Systeme neue Möglichkeiten. Die passenden Projektpartner fand Topas hier mit der Weserfähre GmbH und der Firma Marinom. Letztere hat auch die Projektleitung von „AiSchiff“ übernommen – die Beteiligten setzen ausgefeilte Sensorik und Künstliche Intelligenz ein, um den Schiffsbetrieb effizienter zu machen.
Die Idee kam von zwei Kapitänen der Fähre: Sie hatten festgestellt, dass sich der Treibstoffverbrauch von Tag zu Tag teilweise stark unterscheidet, ohne dass sie eine Erklärung dafür haben. Das Projekt soll nun ein Assistenzsystem entwickeln, das der Crew während der Fahrt Empfehlungen zum Spritsparen gibt – unter Einbeziehung von Daten wie Windrichtung und Strömung. „Langfristig ist das Ziel, einen Demonstrator zu haben, der auch autonom fahren kann“, so Echim.
Logistikwirtschaft untersucht Potenziale
Autonome Systeme versprechen besonders viel Potenzial, wenn sie an verschiedenen Stellen zum Einsatz kommen und miteinander verknüpft werden. Ein naheliegendes Anwendungsfeld ist daher die ohnehin engmaschig vernetzte Transportwirtschaft. Zahlreiche Akteure im Nordwesten sammeln bereits Ideen für eine gemeinsame Bewerbung als deutsche Modellregion für autonome Mobilität mit Fokus auf Häfen und Logistik. Ein entsprechender Wettbewerb ist von der Bundesregierung geplant.
Ein Baustein der Modellregion „HanseDrive“ könnte das Projekt AutoGVZ werden, das 2025 im Güterverkehrszentrum Bremen gestartet wurde. Die Projektpartner verfolgen das Ziel, den Lkw-Shuttle-Verkehr zwischen dem Terminal Roland-Umschlag und zwei Logistikzentren im GVZ auf einer Strecke von rund drei Kilometern automatisiert zu unterstützen.
Einstiegsangebote für Unternehmen
Unternehmen, die ihre Möglichkeiten in den Bereichen künstliche Intelligenz und Industriemathematik ausloten möchten, können sich in einem ersten Schritt an das Transferzentrum für Künstliche Intelligenz (Bremen.Ai) oder Topas wenden. Dort werden je nach Bedarf die passenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei KI-Dienstleistern oder Forschungseinrichtungen vermittelt. Das Transferzentrum bietet auch zahlreiche Workshops zu aktuellen KI-Fragestellungen aus der Wirtschaft an.
https://topas.tech
transferzentrum-bremen.ai
Modellregion Industriemathematik
Die Transferinitiative „#MOIN Modellregion Industriemathematik“ bringt neueste mathematische Methoden aus der Forschung direkt in die Anwendung. Zu den Projektpartnern zählen neben der gemeinnützigen GmbH Topas auch zahlreiche weitere regionale Akteure. Interessierte Unternehmen können unter anderem in Starterprojekten einen unkomplizierten und kostenlosen Einstieg in die Industriemathematik erproben. Ziel ist es, erste mathematische oder datengetriebene Lösungsansätze zu entwickeln und Potenziale für eine weiterführende Kooperation auszuloten.
moin-mathe.de
Bild oben:
Das Topas-Team testet im Technologiepark Bremen autonome Fahrzeuge.
Foto: Karsten Klama