Das Bremerhavener Unternehmen Ecocool darf sich jetzt offiziell „Ort der biologischen Vielfalt“ nennen. Für Geschäftsführer Florian Siedenburg ist die Auszeichnung kein Anlass, sich auf Lorbeeren auszuruhen – sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, der bei dem Produzenten von Kühlverpackungen zum festen Bestandteil der Firmenphilosophie geworden ist.
Zwischen Produktionsstätten, Lagerhallen und einem naturbelassenen Regenrückhaltebecken summt und flattert es. Wo andere Betriebe ihr Gelände pflastern, hat sich auf dem Grundstück der Ecocool GmbH in Bremerhaven über die Jahre ein lebendiges kleines Biotop entwickelt. „Das war keine umfassende Strategie“, räumt Geschäftsführer Florian Siedenburg ein. „Wir haben damals einfach beschlossen, nicht groß einzugreifen und manche Flächen seltener zu mähen – und damit haben wir intuitiv offensichtlich einiges richtig gemacht.“
Für diesen Ansatz ist das Unternehmen jetzt vom Netzwerk Umwelt Unternehmen im Land Bremen als „Ort der biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Zuvor hatte der BUND im Rahmen eines Modellvorhabens einen Biodiversitätsindex erstellt, der sowohl den Status Quo der Biodiversität auf dem Firmengelände erfasst hat als auch individuelle Entwicklungspotenziale aufzeigt – von der Anpflanzung heimischer Bäume über die ökologische Aufwertung durch Strukturelemente wie Benjeshecken und Totholzhaufen bis hin zum Anlegen einer Fassadenbegrünung. Für Siedenburg ist die Auszeichnung eine schöne Überraschung und zugleich ein Startschuss: „Jetzt wissen wir, wo wir stehen und was wir gezielt verbessern können.“
Teil der Lösung werden
Dabei ist Ecocool als Produzent von Kühlverpackungen für temperatursensible Logistik ökologisch betrachtet in gewisser Weise selbst „ein Teil des Problems“, wie Siedenburg sagt. „Umso mehr stellen wir uns unserer Verantwortung und setzen alles daran, gleichzeitig auch Teil der Lösung zu sein.“ Rund 100 Mitarbeitende stellen auf dem Betriebsgelände im Fischereihafen Kühl- und Isolierverpackungen her: vor allem für die Pharmaindustrie, aber auch für Lebensmittel, Farben und Lacke. „Unsere Produkte tragen entscheidend dazu bei, dass Waren nicht verderben und weggeschmissen werden müssen“, betont der Geschäftsführer. „Das ist mit Blick auf den CO2-Fußabdruck oft entscheidender als jede Verpackungsdebatte.“
Dennoch will sich der Unternehmer nicht mit diesem Argument begnügen. Seit Jahren arbeitet er mit seinem Team daran, die eigenen Produkte und Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten. „Nachhaltigkeit hat bei uns viele Dimensionen“, erklärt Siedenburg. „Wir entwickeln Materialien weiter, denken über Alternativen zum Kunststoff nach und prüfen regelmäßig, wie wir unsere Abläufe effizienter gestalten können.“ Ein Beispiel dafür ist die neue Thermohaube, die auf Papier basiert und im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll. Nach Aussage des Geschäftsführers ein großer Fortschritt: „Bisher war die Entsorgung der benutzten Thermohauben problematisch, weil sie aus einer Verbundfolie aus Kunststoff und Aluminium bestehen. Künftig lassen sie sich ganz einfach über den Papierkreislauf entsorgen.“
Außendienst von Elektrofahrzeugen begeistert
Auch im Betriebsalltag setzt das Unternehmen auf Energieeffizienz und Klimaschutz. Um den Energieverbrauch zu senken, hat Siedenburg zuletzt in der Produktionshalle ein Schnelllauftor und im Tiefkühllager einen Latentwärmespeicher einbauen lassen. Zwei Photovoltaikanlagen mit zusammen knapp 190 Kilowatt-Peak Leistung decken inzwischen einen guten Teil des Stromverbrauchs, der Rest wird als Ökostrom eingekauft. Zudem ist die Firmenflotte nahezu vollständig auf Elektrofahrzeuge umgestellt. „Das war am Anfang ein dickes Brett“, erinnert er sich. „Gerade die Außendienstler waren skeptisch. Heute sind sie begeistert – und keiner will mehr zurück.“
Für die kommenden Jahre will Ecocool sein Engagement weiter systematisieren. Mit dem gerade eingeführten Energiemanagementsystem, dem Biodiversitätsindex und einer CO₂-Bilanzierung sollen Fortschritte messbar werden. „Das ist der Schlüssel“, ist Siedenburg überzeugt. „Nur wer weiß, wo er steht, kann gezielt besser werden.“ Für andere Unternehmen, die nachhaltiger wirtschaften wollen, hat er folgenden Tipp: „Solaranlage aufs Dach, Ökostrom beziehen, Elektroautos fahren. Das geht immer – und es lohnt sich auch wirtschaftlich.“
Bild oben:
Für die naturfreundliche Gestaltung des Firmengeländes verlieh Umwelt-Staatsrat Jan Fries (l.) die Urkunde als „Ort der biologischen Vielfalt“ an Ecocool-Geschäftsführer Dr. Florian Siedenburg.
Foto: Michael Bahlo