JHK: Mit mutigen Entscheidungen aus schwierigen Zeiten gestärkt hervorgegangen

Der Bau der deutschen Antarktis-Stationen Neumayer II und Neumayer III zählt zu den bekanntesten Projekten der Bremerhavener J. Heinr. Kramer Gruppe. Deren Geschichte begann 1901 als Kupferschmiede. 125 Jahre später ist das Unternehmen eine industrielle Dienstleistungs- und Technologiegruppe mit 380 Beschäftigten.

Kupferrohre ohne Knick zu biegen, ist eine handwerkliche Kunst. Johann Heinrich Kramer hat das noch übertroffen und aus Kupfernahtrohr mit 6,5 Zentimetern Durchmesser einen glatten Knoten geknüpft. Das war bereits 1905, vier Jahre nachdem Kramer in Bremerhaven eine Kupferschmiede eröffnet hatte. Längst ist aus dem kleinen Handwerksbetrieb eine international agierende Firmengruppe geworden. Dort hat das Meisterwerk im Büro des geschäftsführenden Gesellschafters einen Ehrenplatz bekommen.

Die kunstvoll geschwungenen und untrennbar verbundenen Rohre sollen nicht nur für die Leistungsfähigkeit der J. Heinr. Kramer Gruppe stehen, sondern auch für den Zusammenhalt in dem Familienunternehmen, das zu den ältesten Firmen in Bremerhaven zählt. Im April feiert JHK – so die Kurzform des Namens – sein 125-jähriges Bestehen.

„Es ist ein sehr schönes Gefühl, ein Unternehmen mit einer so langen Geschichte zu führen“, sagt Julius Kramer, mit dem mittlerweile die vierte Generation an der Unternehmensspitze steht. „Eine so lange Historie bedeutet auch eine besondere Verantwortung – sowohl gegenüber den Beschäftigten als auch gegenüber unserer Familiengeschichte.“

Seit 1947 das Portfolio mit Einkäufen nach Maß vergrößert

Von der Kupferschmiede zur industriellen Dienstleistungs- und Technologiegruppe mit rund 380 Beschäftigten war es ein langer und gelegentlich auch mühsamer Weg. Zunächst wuchs der Handwerksbetrieb mit dem Aufblühen der Werften in Bremerhaven. Damals wie heute war Rohrleitungsbau gefragt; noch immer ist dies ein wichtiges Beschäftigungsfeld.

Allerdings musste auch JHK wie viele andere Zulieferbetriebe bis in die jüngere Unternehmensgeschichte immer wieder alle Kräfte gegen die Folgen der fast zyklisch auftretenden Schiffbaukrisen mobilisieren. Eine wichtige Weichenstellung auf dem Weg zum breit aufgestellten Firmenkonsortium nahm der Großvater des heutigen Geschäftsführers vor: 1947 begann J. Heinrich Kramer mit der Übernahme einiger kleinerer Firmen und der Gründung neuer Unternehmenszweige, um die Diversifikation in neue Branchen und Betätigungsfelder wie Stahlbau, Elektrotechnik und Wohnungsbau voranzutreiben.

Über die Jahre und Jahrzehnte folgten weitere Ergänzungen des Portfolios. Bis heute gilt dabei ein klarer Grundsatz: „Wir wachsen nicht um des Wachstums willen, sondern entscheiden uns für sich bietende Gelegenheiten, wenn sie in unsere Struktur passen und wir sie uns wirtschaftlich tatsächlich leisten können“, betont Julius Kramer.

Auf diesem Weg ist eine wirtschaftlich starke Gruppe entstanden, die auf fünf Standbeinen ruht: Rohrleitungs-, Stahl-, Behälter- und Apparatebau; Elektro¬anlagenbau; Oberflächen¬technik und Gerüstbau sowie technische Gebäudeausrüstung.

Durch eine der jüngsten Portfolio-Erweiterungen sicherte sich Kramer den Zugang zu einem weiteren wichtigen Wachstumsmarkt. 2014 übernahm die Gruppe die M+F Technologies GmbH in Hamburg und gewann dank deren Portfolio in der Automatisierung und Digitalisierung von Tanklagern, Tankterminals und Energieversorgungssystemen zusätzliche Kompetenzen im Bereich der Energietechnik. Darüber hinaus baute die Gruppe insbesondere in den vergangenen zwei Jahren zentrale Fähigkeiten im Anlagenbau rund um die erneuerbaren Energien auf. Die Schwerpunkte liegen dabei auf ganzheitlichen Lösungen für die Wasserstofferzeugung, Industriebatteriespeicher und Industriewärmepumpen.

Basis für neue Entwicklungen im Fischereihafen

Eine weitere richtungweisende Entscheidung traf Ingo Kramer, der Vater des heutigen Geschäftsführers, inmitten einer der vielen schwierigen Perioden im Schiffbau: Er trieb den Umzug aus Bremerhaven-Lehe an den heutigen Standort im Fischereihafen voran, der 1989 vollzogen wurde. „Das war damals sicherlich ein mutiger Schritt und hat wesentlich dazu beigetragen, die Gruppe durch schwierige Zeiten zu bringen“, ist Julius Kramer überzeugt. Während rundherum die Werften kriselten, wuchsen mit den neuen Hallen und dem großen Betriebsgelände die Möglichkeiten und Chancen der Gruppe. Zu den bekanntesten Großprojekten zählt der Bau der deutschen Antarktisforschungsstationen Neumayer II (1992) und Neumayer III (2007).

Generationswechsel frühzeitig vollzogen

Auch durch sein außerbetriebliches Engagement zählt Ingo Kramer zu den bekanntesten Unternehmerpersönlichkeiten aus Bremerhaven. Unter anderem war er von 1996 bis 2002 sowie von 2012 bis 2013 Präsident der damaligen Industrie- und Handelskammer Bremerhaven. Er zählte dabei zu den treibenden Kräften für die Fusion der Kammern von Bremen und Bremerhaven. Ab 2002 stand er an der Spitze der Unternehmerverbände im Lande Bremen e.V., deren Ehrenpräsident er mittlerweile ist. Von 2013 bis 2020 war er Präsident des Bundesverbandes der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Im Alter von 65 Jahren zog sich Ingo Kramer aus dem operativen Geschäft zurück und überließ dieses seinem Sohn: „Ich gehe meinen eigenen Weg“, bestätigt Julius Kramer und lässt zugleich keinen Zweifel daran, dass er auf diesem Weg von der langen Familien-Tradition des überlegten Handelns geleitet ist.

Julius Kramer war 28, als er an der Seite seines Vaters in die Geschäftsführung einzog. In jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen, hat in der Familie Kramer Tradition: Ingo Kramer war ebenfalls 28, als er Geschäftsführer wurde; sein Vater J. Heinrich Kramer war bei der Geschäftsübernahme sogar erst 22. Nach dem Abschluss seines Ingenieurstudiums am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hatte Julius Kramer zunächst bei einem großen Luftverkehrsunternehmen gearbeitet. Zwei Jahre nach dem Eintritt in die Geschäftsführung übernahm er komplett das Ruder im Unternehmen.

„Natürlich frage ich meinen Vater gerne um Rat“, sagt Julius Kramer, „aber es ist allen und vor allem auch mir selbst klar, dass ich jetzt die Verantwortung für die Zukunft des Familienunternehmens trage.“ Mancher könnte das Gewicht einer 125-jährigen Firmengeschichte auf den Schultern als Bürde empfinden. Mit Blick auf den historischen Kupferrohr-Knoten in seinem Büro sieht Julius Kramer es aber ganz anders: „Verantwortung ist keine Last, sondern ein Ansporn.“

jhk.de

Bild oben:
Julius Kramer führt das Bremerhavener Unternehmen in vierter Generation.
Foto: Wolfgang Heumer