Der digitale Käpt’n geht an Bord

Die Marinom GmbH entwickelt autonome Systeme für die maritime Branche.

In der Automobilbranche sind autonome Systeme schon längst keine Seltenheit mehr, aber in der maritimen Branche? Da geht’s erst jetzt so richtig los. Einer der Treiber ist die Marinom GmbH. Das Bremer Unternehmen mit Sitz im Technologiepark wurde Ende 2020 von den promovierten Physikern Arne Kraft und Alexander Jeschke gegründet. Ihr Ansatz: Gemeinsam mit oder für ihre Kunden entwickeln sie Lösungen, zum Beispiel für Wasserfahrzeuge, die über oder unter der Wasseroberfläche autonom agieren.

Erstmals hatten sie sich 2003 an der Constructor University (ehemals Jacobs University) getroffen. Beide waren dort als Post Doctoral Fellows tätig und hatten ihre Labore zufällig direkt nebeneinander. Kraft arbeitete später 14 Jahre bei Atlas Elektronik, zuletzt als Programmleiter für autonome maritime Systeme. Jeschke war in Patent- und Rechtsabteilungen in der Industrie tätig und eröffnete als Patentanwalt seine eigene Kanzlei. „Wir sind immer in Kontakt geblieben und haben uns gesagt: Wenn wir mal eine richtig gute Idee haben, dann machen wir uns gemeinsam selbstständig“, erzählt Kraft.

2020 war es dann so weit: Kraft und Jeschke gründeten die Marinom GmbH als Entwicklungsdienstleister für die maritime Wirtschaft. Sie unterstützen Reedereien, Werften, Hafenbetriebsgesellschaften oder maritime Dienstleister dabei, autonome Systeme zu entwickeln und in anwendungsfähige Produkte umzusetzen. Dank einer Minderheitenbeteiligung der öffentlichen BAB Beteiligungs- und Managementgesellschaft Bremen mbH konnten Kraft und Jeschke schon im ersten Jahr in ihr Team und in die digitale Infrastruktur investieren. „Das war wichtig, damit wir gleich mit dem ersten Auftrag startbereit waren“, sagt Jeschke.

Das erste Jahr verlief noch schleppend, aber 2022 ist die Nachfrage rasant gestiegen. Aktuell hat Marinom zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, kurz- bis mittelfristig sollen es 30 und mehr werden. „Wir suchen Ingenieure, Physiker, Softwareentwickler, egal ob jung oder alt – die Mischung macht’s“, sagt Kraft. „Bei jedem Projekt lernen wir wieder etwas Neues dazu, das wir schon beim nächsten Projekt wieder anwenden können. Das macht es für uns alle so spannend.“ So arbeiten sie zum Beispiel in einem Projekt daran, dass Kamerabilder automatisch so ausgewertet werden, dass die Künstliche Intelligenz den Bewuchs an Fundamenten von Windkraftanlagen erkennt. Dieselbe Technologie könnte später über Wasser genutzt werden, um Seezeichen autonom zu erkennen, und sie könnte als Assistenzsystem auf der Brücke dienen.

www.marinom.de