Gewerbe- und Handwerkerhöfe bieten maßgeschneiderte Räumlichkeiten für Werkstatt, Lager, Büro oder Produktion und vereinen dabei unterschiedliche Betriebe an einem Standort. In Bremen hat sich daraus ein vielfältiges Modell entwickelt, das ab November 2026 mit dem Handwerkercampus 2 im Industrie-Park um ein weiteres Projekt ergänzt wird.
Für kleine und mittlere Betriebe können Gewerbe- oder Handwerkerhöfe eine attraktive Alternative zum eigenen Gewerbebau sein. Viele Unternehmen benötigen eine Kombination aus Werkstatt, Lager und Büro, haben aber weder den Flächenbedarf noch die finanziellen Möglichkeiten für eine eigene Immobilie. Klar abgegrenzte und flexibel nutzbare Einheiten in einem gemeinsam genutzten Gebäude bieten daher die ideale Lösung.
Hinzu kommt, dass geeignete Gewerbeflächen innerhalb der Stadt knapper werden. Gefragt sind deshalb Angebote, die unterschiedliche Unternehmensgrößen aufnehmen, verkehrsgünstig liegen und Raum für Wachstum bieten. Dabei geht es nicht nur um Handwerksbetriebe, sondern auch um Unternehmen aus Produktion, Logistik, Technik, Dienstleistung oder Reparatur.
Wie vielfältig das Modell inzwischen ist, zeigen die verschiedenen Angebote, die im Land Bremen in den vergangenen Jahren entstanden sind. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) verfügt über vier Standorte: das Gewerbezentrum Hochschulring, das Gewerbezentrum am Bremer Kreuz, den Handwerkerhof Bremen-Nord und den Handwerkerhof Reedeich. Hinzu kommen private Projekte wie der Gewerbehof Oslebshausen, der Handwerkerhof am Allerkai, der Handwerkerhof Silbermannstraße und verschiedene weitere Angebote mit variierenden Konzepten und Schwerpunkten. In Bremerhaven bietet die BIS Bremerhaven mit dem Gewerbehof an der Rudloffstraße ein vergleichbares Modell an.
Dass diese Angebote auf Nachfrage treffen, zeigen die Auslastungszahlen: Die Handwerkerhöfe in Blumenthal und am Reedeich erreichten in den vergangenen vier Jahren durchschnittliche Auslastungen von 93 und 96 Prozent, die Gewerbezentren im Technologiepark und am Bremer Kreuz kamen sogar auf 99 und 97 Prozent. Der Bremer Senat bewertet die Marktgängigkeit der eigenen Gewerbe- und Handwerkerhöfe entsprechend als gut. Auch bei privaten Projekten geht er aufgrund der anhaltenden Nachfrage von einer guten Aufnahme am Markt aus. Für die Stadtentwicklung sind diese Projekte eine große Chance, denn Gewerbe- und Handwerkerhöfe ermöglichen eine intensivere Nutzung knapper Gewerbeflächen und können dazu beitragen, Handwerks-, Produktions- und Dienstleistungsbetriebe innerhalb Bremens zu halten, anstatt sie ins Umland zu verdrängen.
Neuer Campus im Industrie-Park
Als neuestes Objekt wird der Handwerkercampus 2 im Bremer Industrie-Park ab dem 1. November bezugsfertig sein. Direkt neben dem 2023 fertiggestellten Handwerker-Campus 1 entstehen drei flexible Einheiten mit Lagerflächen von rund 670 bis 1.220 Quadratmetern sowie Büro- und Sozialflächen von 120 bis 190 Quadratmetern. Zusätzliche Lagerbühnen, Photovoltaik, Wärmepumpen, Glasfaseranschlüsse und Ladeinfrastruktur schaffen Voraussetzungen für unterschiedliche Gewerbebetriebe. In der Nachbarschaft des Campus, der über die A281 und die A27 an das überregionale Verkehrsnetz angebunden ist, sind bereits zahlreiche Unternehmen aus Industrie, Recycling und Logistik ansässig.
Für die Eigentümerin, die HVG Gesellschaft für Vermögensverwaltung und -beratung mbH, übernimmt die Bremer Wallhaus GmbH das Immobilien- und Facility-Management des Projekts. Wallhaus-Geschäftsführerin Annika Reineberg sieht den Campus beispielhaft für einen grundsätzlichen Bedarf: „Bremen ist ein traditionell starker Handwerks- und Industriestandort. Um diese Stärke auch künftig zu erhalten, müssen Betriebe nicht nur Aufträge, sondern auch Entwicklungsperspektiven innerhalb der Stadt finden.“ Dabei stehe neben der Wirtschaftskraft auch das Erreichen wichtiger gesellschaftlicher Ziele auf dem Spiel. „Wir sprechen oft über neue Wohnungen, neue Quartiere und Klimaziele. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wo künftig die Handwerksbetriebe arbeiten sollen, die all das überhaupt erst möglich machen.“
Wichtig sei nicht allein die Bereitstellung von Flächen. „Heute erwarten Unternehmen einen Standort, der Energieeffizienz, Digitalisierung, Wachstumsmöglichkeiten und Mitarbeiterbedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt“, so Reineberg. Gefragt seien Standorte, an denen unterschiedliche Gewerke voneinander profitieren, Kooperationen entstehen und Entwicklung möglich wird. Dass bereits zum Richtfest des zweiten Bauabschnitts des Handwerkercampus ein erheblicher Teil der Flächen vermietet war, bestätigt nach ihrer Einschätzung den weiterhin hohen Bedarf – nicht nur an einem Standort, sondern strukturell in ganz Bremen.
Die Handwerkslotsin unterstützt kleinteiliges Gewerbe
Das Angebot „Handwerkslotsin“ der WFB begleitet nicht nur Handwerksunternehmen, sondern auch anderes kleinteiliges Gewerbe bei der Suche nach geeigneten Betriebsstätten sowie bei Themen wie Genehmigungen, Finanzierung, Fachkräftegewinnung und Digitalisierung. „Die Nachfrage nach kleinen Hallen in Verbindung mit ein bis zwei Büros ist weiterhin da, unsere Angebote sind weitgehend ausgelastet“, erklärt Andrea Bischoff, Pressesprecherin der WFB. „Die Handwerkslotsin fungiert dabei als zentrale Ansprechpartnerin und vermittelt bei Bedarf an die jeweiligen Fachleute innerhalb der WFB sowie an Kammern, Banken und weitere Institutionen.“
handelskammer-magazin.de/handwerkslotse
Bild oben:
Visualisierung des Handwerkercampus mit den Bauabschnitten 1 und 2 im Industrie-Park Bremen.