Gemeinsam die Innenstadt entwickeln

Beim „Fachdialog Innenstadt“ am 15. September wurde deutlich, dass Bremen vor einem Aufbruch steht. Damit aus vielen einzelnen Vorhaben ein harmonisches Ganzes entsteht, ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich.

Jahrhunderte lang war es üblich, dass in Stadtzentren das Wohnen, Arbeiten und Einkaufen miteinander vereint wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Zentren jedoch vor allem für das Einkaufen optimiert. „Jetzt gehen wir wieder dahin, wo wir schon mal waren, nur auf einem anderen Weg“, sagte Handelskammer-Präses André Grobien zur Eröffnung des „Fachdialogs Innenstadt“ im ehemaligen Horten-Kaufhaus. Besonders die jüngeren Generationen ziehe es in die Stadt, allerdings fehle es dort an Wohnungen. Auf den freiwerdenden Arealen des Kaufhauses und des Parkhauses sowie des benachbarten C&A-Gebäudes sieht er daher eine attraktive Möglichkeit, „auf großer Fläche etwas Neues entstehen zu lassen“.

Die Transformation der Bremer Innenstadt umfasst nicht nur den zentralen Kaufhausbereich, sondern auch viele weitere Quartiere und Einzelmaßnahmen. Im Rahmen des Fachdialogs bot die Handelskammer in Kooperation mit der Brestadt GmbH und weiteren Partnern daher sechs Exkursionen zum Balgequartier, Brill, Kaufhaus-Areal, C&A-Gebäude, zur Überseeinsel und zu Projekten des Aktionsplans „Centrum Bremen 2030+“ an. Angesichts der Vielfalt und Attraktivität der Projekte stellte die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Özlem Ünsal, fest: „Die Frage ist nicht, ob die Innenstadt eine Zukunft hat, denn die hat sie, sondern in welcher Rolle.“

Die Zahl der Besucher in deutschen Innenstädten steigt

Die deutschen Stadtzentren zeigen sich grundsätzlich widerstandsfähiger als oft befürchtet – das ging aus dem Impulsvortrag von Andrea Soyka, Geschäftsführerin der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH (Steg), hervor. Der Online-Anteil am Einzelhandel sei zwar in den vergangenen zehn Jahren von 9 auf 14 Prozent gestiegen, allerdings stagniere dieses Wachstum zurzeit. Der Anteil der klassischen Warenhäuser am Gesamtumsatz sei jedoch deutlich zurückgegangen. „Das Modell Warenhaus steht unter Druck“, sagte Soyka.

Hoffnung mache, dass die Besucherzahlen in den Zentren deutscher Großstädte zwischen 2022 und 2024 um durchschnittlich 5 Prozent gestiegen seien, in den Städten mit mehr als 600.000 Einwohnern sogar um 8 Prozent. „Die Krise der Warenhäuser ist keine Krise der Innenstädte“, betonte Soyka. „Das ist nicht gleichzusetzen.“

Warenhausimmobilien als Chance für Neues

Die großen Warenhausimmobilien in den Innenstädten seien daher einerseits eine Herausforderung, andererseits auch eine Stellschraube und ein potenzieller Motor für die Transformation zu mehr Vielfalt. Sie stellte Beispiele aus Groningen, Lübeck und Oldenburg vor, bei denen die Wandlung eines verlassenen Warenhausstandorts zu einer neuen Nutzung mit hoher Anziehungskraft gelungen sei. Die erfolgreichen Projekte hätten einiges gemeinsam, sagte sie – vor allem eine starke Vision und die frühzeitige Einbeziehung der Stadtgesellschaft.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der vorgestellten Quartiere einig, dass die weitere Entwicklung der Innenstadt im Zusammenspiel gestaltet werden müsse. Gewünscht wurde sowohl die räumliche Durchlässigkeit zwischen den Quartieren und Projekten als auch die enge Kooperation der Beteiligten aus Wirtschaft, Verwaltung und Eigentümern. Karsten Nowak, Handelskammer-Geschäftsführer Einzelhandel, Existenzgründung und Unternehmensförderung, zog daher am Ende ein kurzes Fazit: zog daher am Ende ein kurzes Fazit: Entscheidend sei, die Innenstadt gemeinsam zu entwickeln. „Neben dem Einzelhandel und der Dienstleistungswirtschaft wird es viele weitere Nutzungen geben müssen, die alle aufeinander einzahlen.

Bild oben:
Die Vertreterinnen und Vertreter der vorgestellten Quartiere in der Diskussion (v.l.): Johannes Aderholz (Überseeinsel GmbH), Kai Ladebeck (Joh. Jacobs & Co), Carl Zillich (Projektbüro Innenstadt Bremen GmbH), Annika Reineberg (Wallhaus GmbH), Bernd Botzenhardt (Geschäftsführer Brestadt GmbH) und Marco Bremermann (Müller & Bremermann GmbH & Co. KG).
Foto: Karsten Klama