Erfahrungen nutzen, Erfolge begleiten

Der Bremer Senior Service e.V. berät und unterstützt ehrenamtlich Existenzgründer und Unternehmen in der Krise

Von 60 Stunden auf Null: Für Unternehmer und Führungskräfte bedeutet der Ruhestand oftmals, dass sie von einem Fulltime-Job in ein Aufgabenloch fallen. Dabei haben sie so viel zu geben: Wissen, Erfahrung, Kontakte und Selbstvertrauen. Aus dieser Idee heraus wurde 1998 der Bremer Senior Service e.V. (BSS) gegründet. Ehemalige Führungskräfte aus Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen beraten Menschen auf dem Weg in ein selbstständiges Berufsleben. Inzwischen sind es überwiegend Existenzgründer, die von den ehrenamtlich Tätigen begleitet werden.

Eine der Seniorinnen ist Sabine Kallmann, Vorstandsvorsitzende des Vereins. Die Juristin war Vorsitzende Richterin und von 2009 bis 2015 Präsidentin des Landesarbeitsgerichts Bremen. „Mit meinem Ruhestand kam das Loch und die Langeweile“, sagt sie. „Ich habe so viele Erfahrungen und ein großes Netzwerk in Deutschland, das wollte ich unbedingt nutzen und auch für andere nutzbar machen.“

Bei der Bremer Freiwilligenbörse Aktivoli entdeckte sie den BSS für sich. „Es war genau das, was ich gesucht hatte: Eine soziale Aufgabe, bei der ich meine Erfahrungen an junge, hoffnungsvolle Menschen aller Altersklassen weitergeben kann – ohne Terminzwang und mit freier Zeiteinteilung.“ Gleichzeitig lernt auch sie stetig dazu. „Es gibt immer wieder neue Tätigkeiten oder neue Voraussetzungen für eine Gründung in einer Branche – wir Berater müssen auf dem aktuellen Stand bleiben“, sagt Kallmann.

Neue Mitglieder gesucht
Der BSS hat zurzeit rund 30 aktive Mitglieder. „Leider sind einige Berater alters- oder gesundheitsbedingt ausgeschieden. Deshalb sind wir auf der Suche nach neuen Mitgliedern“, so die Vereinsvorsitzende. „Zu Höchstzeiten haben rund 50 Mitglieder durchschnittlich 250 Beratungsfälle pro Jahr gehabt. Jetzt hat es sich auf 85 bis 100 zum Teil sehr arbeitsintensive Fälle pro Jahr eingependelt.“

Die Existenzgründer kommen über die Website, aber insbesondere über Empfehlungen – zum Beispiel über das Starthaus Bremen oder die Handelskammer Bremen – zum BSS. „Wir führen mit jedem Ratsuchenden mindestens ein Gespräch und betreuen so viel und so lange wie nötig“, berichtet Kallmann. „Manche haben erstmal nur eine Idee. Wir gucken, wie weit sie sind, und helfen ihnen auf die Sprünge. Es gibt oft viele Optionen – wir geben die Strukturen.“

Es kann sein, dass sich schon beim ersten Gespräch herausstellt, dass bestimmte Voraussetzungen für eine Gründung nicht vorhanden sind. „Dies prüft der ausgesuchte Berater gleich im ersten Gespräch, das pandemiebedingt meistens telefonisch oder per Video stattfindet. Wenn die Voraussetzungen für die Gründung gegeben sind, begleitet der Berater den Gründer weiter ganz individuell.“ Der BSS leistet ausdrücklich keine Rechts- und keine Steuerberatung. „Wir informieren und beraten kostenfrei und setzen die Leute auf die Spur. Aber entscheiden müssen sie selbst“, sagt Kallmann.

Informieren und motivieren
Christian-Martin Koos ist stellvertretender Vorsitzender des BSS und seit gut zehn Jahren dabei. Bis zu seinem Ruhestand hat er als Leiter der Werks- und Investitionsplanung bei Airbus gearbeitet. Auch ihm fiel der Start in den Ruhestand nicht so leicht, bis er über einen Zeitungsartikel auf den BSS aufmerksam wurde. „Das ist für mich genau richtig“, sagt er. „Man braucht nicht nur Kenntnisse, sondern auch Empathie, Teamfähigkeit und Zeit. Ich kann Menschen gut motivieren und arbeite gerne mit ihnen zusammen. Es macht mir viel Spaß und es ist immer wieder schön zu sehen, wenn die Gründung erfolgreich ist.“

Koos hilft wie alle anderen Vereinsmitglieder unter anderem beim Erstellen eines Businessplans, bereitet die Gründer auf Gespräche mit Banken oder Behörden vor oder informiert über Förderprogramme. Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, braucht für den Gründungszuschuss eine fachkundige Stellungnahme – der BSS ist berechtigt, diese auszustellen. „Wir reden nichts schön, sondern schätzen ehrlich ein, ob die Gründung tragfähig ist oder nicht“, sagt Koos. Der BSS unterstützt zudem auch bei der Firmenübergabe an die nächste Generation oder bei der Sicherung von Unternehmen in der Krise.

Dankbar für die Unterstützung
Zu denjenigen, die von der Beratung profitiert haben, zählt Sigrid Regenhard, Inhaberin der Boutique Stilsicher in Schwachhausen. Sie hatte mehr als 30 Jahre als Verkaufsleiterin im Außendienst für die Kosmetikbranche gearbeitet und war bereits Kundin der Boutique, als sie das Geschäft zum 1. Juli 2017 von ihrer Vorgängerin übernahm. Ende 2019 wollte sie es aus gesundheitlichen Gründen wieder verkaufen. „Die Handelskammer hat mir damals den Bremer Senior Service empfohlen und so kam es, dass mich Jürgen Makarczuk in der Phase sehr gut begleitet hat“, sagt Sigrid Regenhard.

Pandemiebedingt war der Verkauf der Boutique nicht möglich und so entschied sich die Inhaberin schließlich doch, das Geschäft vorerst zu behalten. „Dank der Unterstützung und auch dank der Überbrückungshilfe bin ich gut durch die Zeit gekommen. Heute freue ich mich umso mehr, dass ich das Geschäft und damit auch die Kontakte zu meinen Kundinnen behalten habe.“

Bremer Senior Service e.V.
Sabine Kallmann
Telefon 0421 22 08 - 117
info@bss-bremen.de
www.bss-bremen.de