„Das Centrum wird jünger und klüger“

Auffrischung für die Innenstadt: Eine Machbarkeitsstudie soll bis zum Sommer klären, ob einige Fachbereiche der Universität Bremen in die City ziehen können. Dies würde nicht nur dem Stadtkern einen Entwicklungsschub verschaffen, sondern auch dem Technologiepark neue Chancen eröffnen.

Der Übergang zwischen Innenstadt und Faulenquartier ist seit langer Zeit ein wunder Punkt der Bremer Stadtentwicklung. Mit dem Umzug der Sparkasse in den Technologiepark ist auch noch der wichtigste Anker an dieser Schnittstelle verloren gegangen, allerdings eröffnet gerade das nun eine völlig neue Perspektive: Das ehemalige Sparkassenareal soll zum City Campus der Universität werden. Im Idealfall würden damit täglich rund 9000 Studierende und mindestens 1000 Beschäftigte am Brill ein- und ausgehen. Die 600 bis 700 Arbeitsplätze, die mit der Sparkasse verloren gegangen sind, würden dann deutlich überkompensiert.

Wir werden nur private Anschlussinvestitionen bekommen, beispielsweise im Stephani-Viertel, wenn irgendwann die Entscheidung getroffen wird: ‚Ja, wir machen dieses Projekt Universität.'

Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen

Die „Strategie Centrum Bremen 2030+“ nennt den City Campus im Rahmen des Leitbilds „Das Centrum Bremen wird jünger und klüger“ bereits als eines der wichtigsten Projekte. Der Senat beschloss im September, die Idee intensiv zu verfolgen. „Unsere Vision ist eine Universität der Zukunft, eine Universität, die nach innen forscht und lehrt, aber sich zugleich nach außen öffnet“, sagte Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling. Uni-Rektor Bernd Scholz-Reiter findet die Vorstellung ebenfalls charmant: Gerade an Abenden und Wochenenden könne der City Campus mit Veranstaltungen und Kultur zu einem lebendigen Ort werden, der auch dem Rest der Stadtgesellschaft offen steht.

Die Offenheit soll nicht nur organisatorisch gegeben sein, sondern auch architektonisch befördert werden, um die Integration ins Umfeld zu unterstützen. Nachdem der Senat die spektakulären Hochhausentwürfe des Architekten Daniel Libeskind vor zwei Jahren abgelehnt hat, wird jetzt diskutiert, inwieweit die bestehenden Gebäude der Sparkasse erhalten und umgebaut werden können. Unstrittig ist jedoch, dass sie durchlässiger werden sollen für Passanten, indem neue Wegeverbindungen und nach Möglichkeit ein Innenhof mit Aufenthaltsqualität geschaffen werden.

Starker Impuls für das gesamte Umfeld

Der Schub, den der City Campus auslösen würde, wäre im gesamten Umfeld zu spüren, erwartet Dr. Dirk Kühling, Abteilungsleiter bei der Senatorin für Wirtschaft. Die Universität bringe eine deutliche Steigerung der Kaufkraft und eine ganz andere Zielgruppe in die Innenstadt. „Das Quartier würde extrem davon profitieren“, ist er überzeugt. Insgesamt sei der Leerstand bei den Immobilien in Bremen zwar sehr niedrig, aber in der Innenstadt sehe die Lage anders aus. Durch den City Campus könne die Nachfrage nach Büros steigen, aber auch die Nutzung einiger Immobilien für studentisches Wohnen sei erstrebenswert. Kühling würde den Umzug auch befürworten, wenn es am Brill nicht klappt – andere Standorte wie das ehemalige C&A-Gebäude am Hanseatenhof oder die ehemalige Bremer Landesbank seien ebenfalls sinnvoll. Allerdings würde der Campus am Brill eine „größere Strahlkraft entwickeln“, so Kühling.

Der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, Dr. Matthias Fonger, fordert vor allem eine schnelle Entscheidung, denn sie sei der Schlüssel für alle weiteren Entwicklungen im Umfeld, zum Beispiel für den Bau von Studentenwohnheimen, die Belebung der Gastro-Szene und neue Angebote des Einzelhandels. „Wir werden nur private Anschlussinvestitionen bekommen, beispielsweise im Stephani-Viertel, wenn irgendwann die Entscheidung getroffen wird: ‚Ja, wir machen dieses Projekt Universität.‘“

Sowohl Fonger als auch Kühling sehen in dem Umzug gleichzeitig eine große Chance für den Technologiepark. „Wir haben dort nicht mal mehr einen einzigen Hektar für die Vermarktung zur Verfügung“, so Kühling. Beispielsweise habe OHB als wichtiges Bremer Unternehmen kaum noch Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Durch den Teilwegzug der Universität und eventuell einen neuen Haltepunkt der S-Bahn werde sich ein ganz neues Bild ergeben, daher sei es wichtig, einen Masterplan für den Technologiepark zu entwickeln. Alle Beteiligten sind sich unterdessen einig, dass es sinnvoll wäre, die techniklastigeren Fachbereiche wie Informatik und Ingenieurwissenschaften im Technologiepark zu belassen.

Umfassende Machbarkeitsstudie soll im Sommer vorliegen

Um eine fundierte Entscheidung über den Umzug treffen zu können, hat die Senatorin für Wissenschaft das Bremer Büro LPR Architektengemeinschaft mit der Durchführung einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Eine wichtige Fragestellung ist die Beurteilung der Gebäudesubstanz der ehemaligen Sparkassenzentrale. Darüber hinaus geht es um die Erstellung eines Raumprogramms für die Universität und um eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung.

Auch stadtplanerische Aspekte werden in den Fokus genommen: Quartiersentwicklung, eine mögliche Zunahme studentischen Wohnens im Innenstadtbereich und die Belebung des Stadtzentrums. Die Machbarkeitsstudie soll – voraussichtlich – zur Jahresmitte 2022 fertiggestellt sein. Sie ist dabei auf den Standort Brill begrenzt. „In der Vorbereitung der weiteren politischen Entscheidungen, die ab Sommer 2022 zu treffen sind, werden aber selbstverständlich auch alle möglichen Alternativen erwogen, hierzu gehört es auch, alternative Standorte in der Innenstadt zu prüfen“, teilt die Senatorin mit.