BSAG: Von der Pferdebahn zur Säule der städtischen Infrastruktur

Seit 1876 prägt die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) die Mobilität in Bremen. Aus der Pferdebahn des 19. Jahrhunderts hat sich in 150 Jahren ein Verkehrsunternehmen mit rund 2.500 Beschäftigten entwickelt, das heute einen zentralen Teil des öffentlichen Nahverkehrs organisiert.

Mit rund 350 Straßenbahnen und Bussen verbindet die BSAG die Bremer Wohnquartiere, Arbeitsorte, Bildungsstätten und Freizeitangebote und trägt damit wesentlich zur Funktionsfähigkeit der Stadt bei. Über Jahrzehnte hinweg – und parallel zur Entwicklung der Stadt – ist das Liniennetz dabei kontinuierlich erweitert worden: Neue Linien erschlossen wachsende Stadtteile, Takte wurden verdichtet und Haltestellen modernisiert. Anders als in vielen anderen deutschen Großstädten liegt der Schwerpunkt dabei ganz klar auf der Straßenbahn. Ein dichtes Liniennetz, ergänzt durch Busse, bildet das Rückgrat des Bremer Nahverkehrs.

Gleichzeitig stellen Bevölkerungswachstum, Klimaziele und veränderte Mobilitätsgewohnheiten das Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die BSAG investiert daher in barrierefreie Infrastruktur, neue Fahrzeuge und den Ausbau einzelner Strecken. Darüber hinaus stellt sie den Betrieb schrittweise auf emissionsfreie Antriebe um. Der Betriebshof Blumenthal arbeitet bereits vollständig elektrisch; weitere Standorte sollen folgen.

Auch die Digitalisierung bringt große Veränderungen mit sich: Apps, mobile Tickets und digitale Fahrgastinformationen erleichtern heute die Nutzung von Bus und Bahn. Gleichzeitig testet die BSAG neue Technologien zur Unterstützung des Betriebs. Ein Beispiel dafür ist das System „AI Watch“, das mithilfe KI-gestützter Videoanalyse in Echtzeit ungewöhnliche Situationen in Fahrzeugen erkennen und das Fahrpersonal frühzeitig informieren soll. Ziel ist es, Sicherheitsrisiken schneller zu identifizieren, um angemessen reagieren zu können. Aus Datenschutzgründen arbeitet die KI nicht in der Cloud und speichert keine Aufnahmen. Stattdessen arbeitet das System nach Aussage der BSAG nur innerhalb des Fahrzeugs und nur mit verpixelten Bildern: „Mit ‚AI Watch‘ haben wir eine langfristig tragbare Lösung, mit der wir signifikant den ÖPNV besser machen werden“, so der technische Vorstand der BSAG, Thorsten Harder.

Erste elektrische Straßenbahn ging 1890 in Betrieb

Während die Dienstleistung – der Personentransport – über 150 Jahre gleich geblieben ist, hat sich fast alles andere am Geschäft verändert, besonders auch die Fahrzeuge. Die Geschichte der Bremer Straßenbahn begann mit der Gründung der „Bremer Pferdebahn Actiengesellschaft“ am 28. März 1876. Zwei Jahre später fuhren die ersten Wagen durch die Stadt, gezogen von Pferden und mit Platz für rund 16 Fahrgäste. Schon Ende des 19. Jahrhunderts setzte Bremen dann auf elektrische Traktion: 1889 wurde eine elektrische Oberleitungsstraßenbahn erprobt, 1890 ging sie in Betrieb. In der Folge begann eine Phase schnellen Wachstums. Das Netz wurde erweitert, neue Fahrzeuge erhöhten Kapazität und Reichweite, und die Straßenbahn entwickelte sich zum wichtigsten innerstädtischen Verkehrsmittel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten Wiederaufbau und veränderte Verkehrsstrategien die Entwicklung. Wie in vielen Städten gewann der Autoverkehr an Bedeutung, während der öffentliche Verkehr gleichzeitig modernisiert wurde. Gelenkwagen erhöhten die Beförderungskapazität, Fahrkartenautomaten und schaffnerlose Fahrzeuge veränderten den Betriebsablauf. Ein wichtiger Schritt für die regionale Vernetzung erfolgte 1996 mit der Gründung des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN). Einheitliche Tarife und abgestimmte Fahrpläne erleichtern seither die Nutzung des öffentlichen Verkehrs in der gesamten Region.

Heute steht das System erneut vor Veränderungen. Wachsende Stadtquartiere und klimapolitische Ziele erhöhen die Bedeutung leistungsfähiger öffentlicher Verkehrsangebote. In Bremen gehören dazu Netzerweiterungen, die Modernisierung der Infrastruktur und die Elektrifizierung der Busflotte.

Auch der Fahrzeugpark entwickelt sich weiter. Bereits 1993 hatte die Einführung der ersten Niederflurstraßenbahnen den Zugang zum Nahverkehr deutlich verbessert. Seit 2020 sind Straßenbahnen des Typs „Nordlicht“ im Einsatz, mit größeren Mehrzweckbereichen, digitalen Fahrgastinformationen und barrierearmen Einstiegen, die den aktuellen Stand der Infrastruktur widerspiegeln.

Zum 150-jährigen Bestehen präsentiert die BSAG am 6. Juni historische Linienfahrten und eine Fahrzeugparade in der Innenstadt. Dann soll erlebbar werden, wie sich der ÖPNV von einem lokalen Verkehrsmittel zu einem zentralen Bestandteil der städtischen Infrastruktur und Mobilität in Bremen entwickelt hat.

bsag.de