Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das die Joh. Jacobs & Co. Gruppe derzeit im Herzen der Bremer City realisiert: Rund 500 Jahre Bremer Geschichte bewahren und gleichzeitig die Innenstadt modern interpretieren. Bis voraussichtlich Ende 2024 entsteht in der Nähe des Marktplatzes das neue Balgequartier, das künftig auf etwa 19.000 Quadratmetern Mietfläche den Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft schaffen soll.

Die deutschen Innenstädte waren nach dem 2. Weltkrieg hauptsächlich vom Einzelhandel geprägt, doch Einkaufen allein reicht Bewohnern und Besuchern heutzutage nicht mehr. Sie wünschen sich ein Zentrum, das kultureller Hotspot ist, das Geschichte, Bildung, Genuss und Erlebnis vereint. Auch expansive Mieter suchen zunehmend nach Standorten mit Alleinstellungsmerkmalen, mit besonderer Architektur und regionalem Bezug. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, sind die deutschen Stadtzentren gezwungen, sich neu zu erfinden, um den Anschluss an die Zukunft nicht zu verlieren.

Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro

Das gilt auch für die Bremer City: Durch die Joh. Jacobs und Co. Gruppe wird entlang der Langenstraße derzeit ein Pionierprojekt deutscher Innenstadtentwicklung umgesetzt. Die inhabergeführte Gruppe investiert in Unternehmen – unter anderem in den rasant wachsenden Bereich von Spezialitätenkaffees sowie in Immobilien in Bremen und Hamburg. Bei den Immobilien handelt es sich in erster Linie um Objekte in Innenstadtlagen beziehungsweise um ganze Quartiere, die für kommende Generationen aufgewertet werden sollen.

Mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Euro ist das Bremer Balgequartier eines der derzeit wichtigsten Projekte der Gruppe. Das Areal, benannt nach einem 1838 zugeschütteten Nebenarm der Weser, führt ein Ensemble identitätsstiftender Gebäude zusammen, die teilweise viele Jahre nicht öffentlich zugänglich waren: das Johann Jacobs Haus, ehemaliger Stammsitz der Firma Jacobs Kaffee, die Stadtwaage mit ihrer Fassade von 1587, das Neue Essighaus mit historischen Fassadenelementen von 1618 sowie das Kontorhaus am Markt von 1912.

Ein Quartier von europäischem Format

Ziel der Joh. Jacobs & Co. Gruppe ist es, den historischen Ort, der über Jahrzehnte wenig Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung gefunden hat, wiederzubeleben und für Bewohner und Besucher attraktiv zu gestalten. Dazu hat das Unternehmen mit der Stadt Bremen einen städtebaulichen Rahmenvertrag geschlossen, um neben der Aufwertung des Gebäude-Ensembles auch den angrenzenden öffentlichen Raum zu entwickeln und somit ein ganzheitliches Quartier von europäischem Format zu schaffen.

„Unser Fokus liegt dabei auf Regionalität, Vielfalt, Nachhaltigkeit und Qualität“, sagt Melanie Landahl, Geschäftsführerin Immobilien der Joh. Jacobs & Co. Gruppe. „Das Balgequartier soll ein bewusster Gegenpol zu den uniformen Einkaufsstraßen der Innenstädte sein.“

Einblicke in die Welt des Kaffees

Das Johann Jacobs Haus, altes Stammhaus der größten Kaffeedynastie Deutschlands, bildet bereits jetzt das Tor zum Quartier. Auf einer Fläche von 1.400 Quadratmetern sind dort ein Café, ein Ladengeschäft, Tagungsräume sowie eine Rösterei entstanden. In der Jacobs Kaffee Akademie vermitteln Experten anhand von Seminaren und Schulungen Einblicke in die Geschichte des Kaffees. Hinter dem Gebäude gelangen Besucher zum neuen Jacobshof mit Außengastronomie. Um mehr Bereiche für Gastronomie sowie Fußgänger und Radfahrer zu schaffen, sind dort Pkw-Stellplätze entfernt worden.

Ein neu entwickeltes Gastronomiekonzept wird es künftig auch in der historischen Stadtwaage geben. Der mit Sandstein verzierte Bau ist das Werk des Bremer Steinhändlers Lüder von Bentheim und war seit dem 15. Jahrhundert wichtiger Dreh- und Angelpunkt für alle Handelnden, die dort ihre Waren wiegen und verzollen ließen. Nach der fast vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg konnte die Renaissancefassade rekonstruiert werden.

Eine Heimat für die Stadtmusikanten

Unmittelbar neben der Handelskammer gelegen, war das Kontorhaus am Markt 1911 als größtes Bankhaus Bremens erbaut worden. In Zukunft wird es unter anderem das Stadtmusikantenhaus sowie ein Literaturforum beherbergen und damit zentraler Anziehungspunkt für Bremens wichtigste Marke sein. Im 2. und 3. Obergeschoss vermietet das Hospitality-Unternehmen Limehome voraussichtlich ab 2024 mehr als 80 Serviced Apartments auf einer Gesamtfläche von etwa 3.400 Quadratmetern. Damit können hier bis zu 150 Personen übernachten. Auf über 460 Quadratmetern im Erdgeschoss lädt zudem zukünftig das kurdisch-türkische Restaurant-Konzept Bona´me zum orientalischen Genuss ein.

Das Neue Essighaus in der Langenstraße, 1618 von der Kaufmannsfamilie Esich erbaut, komplettiert das Gebäude-Ensemble des Balgequartiers. Im Jahr 1830 zog dort eine Essigfabrik ein, seitdem war es in der Hansestadt als Essighaus bekannt. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, konnten nur wenige Fassadenelemente gerettet werden. Nach dem Wiederaufbau diente es im Wechsel als Restaurant, Gasthaus und Bankhaus.

Nun wurde es abgerissen, jedoch waren die denkmalgeschützten Fassadenelemente vorher abgetragen und eingelagert worden, damit sie in den Neubau integriert werden können. In diesem steht künftig eine Gesamtmietfläche von rund 5.500 Quadratmetern für Büros, Einzelhandel und Gastronomie zur Verfügung. Anfang 2025 wird etwa die nachhaltige Lifestyle- und Interieur-Marke Dille & Kamille aus den Niederlanden im Erdgeschoss einen Store eröffnen. Auf etwa 360 Quadratmetern bietet das Unternehmen nachhaltige Haushaltsartikel, Küchenutensilien und Dekoration.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland wird ebenfalls Mieter im Neuen Essighaus: Das Unternehmen mit bisherigem Sitz am Domshof bezieht voraussichtlich 2025 die drei Endetagen 5 bis 7 des Neubaus, inklusive eigener Dachterrasse. Dr. Thomas Ull, Partner bei PwC Deutschland und zentraler Ansprechpartner für die PwC-Standorte Bremen und Hannover, freut sich auf den Umzug: „Das Balgequartier gilt als Pionierprojekt für die Quartiersentwicklung in der Bremer Innenstadt und wir wollen Teil dieser neuen Ära in Bremens historischer Altstadt sein. Neben der Lage haben uns vor allem die Nachhaltigkeit des Gebäudes mit Photovoltaik-Anlage und LEED-Zertifizierung sowie die große Flexibilität in der Raumaufteilung überzeugt. Wir sehen uns damit für die sich stetig verändernde Arbeitswelt gut vorbereitet.“ Bei LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) handelt es sich um ein international anerkanntes Zertifizierungssystem für ökologisches Bauen.

New Work im Blick

Damit reagieren die Macher des Balgequartiers unter anderem auf den Mangel an hochwertigen, innerstädtischen Büroflächen. Dabei haben sie auch die veränderte Arbeitswelt im Blick. „Arbeitgeber, die zukunftsfähig bleiben wollen, müssen ihren Angestellten heutzutage mehr als ein schlichtes Büro bieten“, betont Melanie Landahl. Flexible Arbeitszeiten und -orte, eine gesunde Worklife-Balance, agile Arbeitsmethoden und eine gelebte Vertrauenskultur sind nur wenige Faktoren von New Work, dem Arbeitskonzept der Zukunft. „Aber auch die Umgebung und das Flair des Arbeitsortes spielen eine zunehmende Rolle.“ Diese Lücke soll das Balgequartier mit seinem Mix aus Büros, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur schließen.

Weitere Informationen:
www.balgequartier.de

Bild oben:
Das Kontorhaus am Markt in der Langenstraße.