Am 27. Februar 2026 feiert der Ostasiatische Verein Bremen e. V. (OAV) sein 125. Stiftungsfest – traditionell in der festlich geschmückten Oberen Rathaushalle. Was einst als kleines Curry-Essen begann, zählt heute zu den bedeutenden gesellschaftlichen Veranstaltungen Bremens.
Rund 350 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Diplomatie kommen jährlich zusammen, um den Vereinsgeburtstag mit einem Curry-Essen zu feiern und Spenden für gemeinnützige Projekte zu sammeln. Die Veranstaltung zählt neben Eiswette und Schaffermahlzeit zum Bremer „Dreigestirn“ der Traditionsveranstaltungen.
Der OAV ist Ausdruck einer langen bremischen Tradition von Wagemut und Weltoffenheit. Schon der hanseatische Wahlspruch „Buten un binnen – wagen un winnen“ prägte Generationen von Kaufleuten. Ende des 18. Jahrhunderts nahm Bremen den Handel mit Asien auf, im 19. Jahrhundert entstanden Niederlassungen in Bombay, Singapur und Manila. Mit der Eröffnung des Suezkanals beschleunigte sich der Austausch, Bremer Unternehmen wie Melchers oder Rickmers prägten den Ostasienhandel maßgeblich.
Vor diesem Hintergrund gründeten am 17. Januar 1901 zehn Bremer Kaufleute, die viele Jahre in Asien verbracht hatten, im Essighaus an der Langenstraße den Ostasiatischen Verein. Ziel war es, Erinnerungen zu bewahren, Freundschaften zu pflegen und den Austausch mit dem Fernen Osten fortzusetzen. Der OAV wurde zum Treffpunkt für Kaufleute und Kapitäne mit Asienbezug und entwickelte früh jene Traditionen, die bis heute Bestand haben.
Nachkriegszeit: Zerstörtes Vertrauen zurückgewinnen
Nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg erfolgte eine Neuausrichtung. Es galt, politische und wirtschaftliche Beziehungen zu den neuen, unabhängigen asiatischen Nationen aufzubauen und zerstörtes Vertrauen in Deutschland als wertebasierten Handelspartner herzustellen. Dementsprechend rückten die Beziehungspflege und die Völkerverständigung in den Mittelpunkt des Wirkens des Vereins, ohne die Geselligkeit zu verdrängen.
Ein Neubeginn folgte 1951 mit dem 50-jährigen Jubiläum: Das Stiftungsfest erhielt seinen repräsentativen Rahmen und entwickelte sich nicht nur zu einem festen Bestandteil des Bremer Veranstaltungskalenders, sondern auch des Kalenders der asiatischen Botschafter in Deutschland. Prominente Redner wie Hans-Dietrich Genscher, Kurt Biedenkopf oder Norbert Lammert unterstrichen in den folgenden Jahrzehnten die gesellschaftliche und politische Bedeutung des Vereins.
Heute zählt der OAV rund 500 überwiegend aus der Kaufmannschaft stammende Mitglieder mit engen Verbindungen nach Asien. Er versteht sich als Brückenbauer für persönlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Bremen und dem asiatisch-pazifischen Raum. Regelmäßige Vorträge, Diskussionsforen, kulturelle Begegnungen und das traditionelle Curry-Essen fördern den Dialog und stärken ein belastbares Netzwerk jenseits formeller Wirtschaftsbeziehungen.
Hilfswerk Ostasien leistet Hilfe bei Naturkatastrophen
Ergänzt und vertieft wird dieses Engagement durch das Hilfswerk Ostasien e. V., das seit 2002 sowohl schnelle und gezielte Hilfe nach Naturkatastrophen in Asien leistet als auch dauerhaft den Austausch und das gegenseitige Verständnis zwischen Bremen und asiatischen Ländern fördert. Zu den aktuellen Initiativen zählen unter anderem der Wiederaufbau eines Waisenhauses und Kindergartens in Indonesien nach dem Tsunami 2018 sowie die „Bremen Town Musicians Farm“ auf den Philippinen, ein landwirtschaftliches Projekt zur nachhaltigen Ernährungs- und Gesundheitsförderung. „Wir setzen Spenden in Asien überwiegend über unser eigenes Netzwerk der dort ansässigen Bremer Unternehmen oder Personen ein“, erklärt Thomas Kriwat, Vorsitzender des OAV Bremen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit liegt außerdem auf Nachwuchsförderung und gesellschaftlicher Verantwortung sowie auf dem nachhaltigen Dialog zwischen Bremen und Asien. Seit 1996 ermöglicht das Stipendienprogramm „Bremen – Brücke nach Asien“ in Kooperation mit dem Landesinstitut für Schule Jugendlichen aus Bremen und Bremerhaven einen vierwöchigen Aufenthalt in einem asiatischen Land. Ziel ist es, interkulturelles Verständnis zu fördern, persönliche Perspektiven zu erweitern und langfristige Verbindungen zwischen den Regionen zu schaffen. Neben der Unterstützung von Schüleraustausch- und Jugendprojekten engagiert sich das Hilfswerk zudem in der Förderung wissenschaftlicher Arbeiten sowie von Kunst- und Kulturprojekten mit Bremen- und Asienbezug.
Bild oben:
Das Stiftungsfest 2025.
Foto: Sigrun Strangmann