Bremen wächst mit seinen Start-ups

Noch vor wenigen Jahren brauchten Start-ups im Land Bremen vor allem Unterstützung beim Gründen und Netzwerken. Inzwischen sind sie gewachsen – und mit ihnen das Bremer Start-up-Ökosystem. Es hat sich dem erhöhten Beratungs- und Finanzierungsbedarf von Start-ups in der Wachstumsphase angepasst und seine Infrastruktur vergrößert. Mit Erfolg: In 2022 gab es in Bremen so viele Start-up-Gründungen wie nie zuvor.

Die Bundesregierung hat es 2022 in ihrer Start-up-Strategie klar formuliert: „Start-ups befeuern Wettbewerb und Innovationsgeist. Sie sind Ideengeber und Innovationstreiber. Sie stehen für Dynamik, Erneuerung und Transformation.“ Klingt gut – und gilt das auch für die Bremer Start-up-Szene? Und ob! In Bremen hat sich in den vergangenen Jahren ein sehr dynamisches Start-up-Ökosystem entwickelt, das inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus sichtbar geworden ist. 2015 hatte Jan Wessels die Initiative bremen-startups.de gegründet, 2018 wurde das Starthaus Bremen & Bremerhaven eröffnet. Auch die Handelskammer Bremen treibt die Entwicklung der Bremer Start-up-Szene entschieden voran – laut Startupdetector verzeichnet das Bremer Start-up-Ökosystem 2022 im Bundesvergleich ein überproportionales Wachstum um 39 Prozent. In absoluten Zahlen ist das ein Sprung von 18 auf 25 Gründungen und bezeichnend für den Erfolg aller Bemühungen. Insgesamt zählt das Starthaus – ein Segment der BAB – aktuell knapp 150 Start-ups in Bremen.

Definition Start-up

• junges Unternehmen (in der Regel jünger als zehn Jahre)
• hoher Skalierungsfaktor
• innovativ
• technologie- und/oder digitalgetrieben

„Bremen ist ein interessanter Standort für Start-ups“, sagt Ralf Stapp, vorsitzender Geschäftsführer der BAB. „Wir haben eine hohe Netzwerkdichte, man kommt leicht rein. Start-ups brauchen schnell und unkompliziert Antworten auf ihre Fragen, und die bekommen sie bei uns. Das gesamte Start-up-Ökosystem lebt das Prinzip der offenen Türen, und gemeinsam bieten wir eine sehr gute Supportinfrastruktur. Das wird uns auch immer wieder von außen bestätigt.“ Petra Oetken, Leiterin des Starthauses Bremen & Bremerhaven, ergänzt: „Wir betreuen von der Ideenfindung bis zur ersten Wachstumsphase aus einer Hand. Wir beraten kostenfrei zu allen gründungsrelevanten Themen rund um die Aspekte Coaching, Qualifizierung, Finanzierung und geben qualifiziertes Feedback zur Gründungsidee.“

Großes Netzwerk mit engagierten Akteuren

Auch die Handelskammer Bremen ist Partner im bremischen Gründungsnetzwerk und bietet neben Beratungen und Expertensprechtagen gründungsrelevante Veranstaltungen an. „Zudem verstehen wir uns als Treiber für eine bessere Verknüpfung von innovativen Gründungen und dem regionalen Mittelstand“, sagt Karsten Nowak, Leiter des Geschäftsbereichs Einzelhandel, Existenzgründung, Unternehmensförderung bei der Handelskammer Bremen. „Als Teil des Gründungsnetzwerks können wir weiterführende Kontakte in alle gründungrelevanten Bereiche herstellen. Durch die direkten Kontakte zur Unternehmerschaft im Lande Bremen sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung für die weitere Entwicklung des Start-up- und Existenzgründungsstandortes Bremen.“

Diese Entwicklung hat Jan Wessels angeschoben, als er 2015 die Initiative bremen-startups.de ins Leben rief, um ein Netzwerk für Start-ups zu schaffen und ihnen durch verschiedene Formate eine Bühne zu geben. 2018 organsierte er zusammen mit der Sparkasse Bremen erstmals die „Macher-Messe“ mit 25 Start-ups und mehr als 200 Gästen – daraus ist der Start-up Summit geworden, der zuletzt im Juni 2023 mit mehr als 50 Start-ups und 600 Gästen stattfand. „Als ich anfing, ging es bei den meisten Start-ups um E-Commerce, Apps und Marketplaces“, sagt Jan Wessels. „Heute sind KI und Nachhaltigkeit die großen Themen.“ In Bremen sind zudem viele Start-ups in den Clustern Space (ESA BIC), Food (Hanse Kitchen) und Health angesiedelt. Während es Wessels zunächst darum ging, die Start-ups untereinander zu vernetzen, bindet er nun auch vermehrt etablierte Unternehmen und Investoren mit ein.

Herausforderung Wachstum: Vom Gründer zum CEO

An diesem Punkt setzt auch das Starthaus verstärkt an. Die Wachstumsphase erfordert immer mehr Aufmerksamkeit. „Was wir seit 2018 machen, trägt jetzt Früchte, und die Start-ups entwickeln sich weiter“, sagt Starthelfer Kostja Hausdörffer. „Die Wachstumsphase ist jedoch eine Herausforderung für Gründer. Vorher haben sie quasi alles selbst gemacht – auf dem Weg zur Skalierung ändert sich einiges. Sie müssen lernen, Aufgaben abzugeben und andere zu lenken wie auch ihre Organisation so zu entwickeln, dass sie ihre Kunden richtig bedienen können. Sie entwickeln sich vom Gründer zum CEO und dabei begleiten wir sie.“

Neben der Beratung und Begleitung ist die Finanzierung ein wichtiges Thema, insbesondere in der Wachstumsphase. Das Starthaus ermöglicht auch Start-up-Beteiligungen. Seit April 2023 gibt es darüber hinaus ein Start-up-Förderprogramm des Landes Bremen. Das Programm unterstützt junge Unternehmen dabei, ihr Produkt zur Marktreife zu führen. Pro Gründungsvorhaben gibt es maximal 150.000 Euro als Fördersumme.

Inzwischen haben sich auch die Hochschulen im Land Bremen das Thema Start-ups auf die Fahne geschrieben. Die Hochschule Bremen zum Beispiel bietet mit Freiraum@HSB eine Anlaufstelle für Studierende und Lehrende mit Innovations- und Gründungsvorhaben aller Art. Diese ist Teil der Bridge-Initiative, die seit 2002 Campus-Gründungen im ganzen Bundesland begleitet. Die Universität Bremen hat den Lehrstuhl Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (Lemex), und die Hochschule Bremerhaven bietet den Studiengang „Gründung, Innovation, Führung“ (GIF). Weitere Akteure und Ansprechpartner des Bremer Start-up-Ökosystems sind unter anderem die Business Angels Weser-Ems-Bremen, der Digital Hub Industry Bremen, der Campus Space der Sparkasse Bremen, das BITZ – Bremer Innovations- und Technologiezentrum und Visionskultur im Creative Hub Bremen.

Start-up-Förderprogramm

Start-ups durchlaufen auf ihrem Weg in profitables Wachstum meist mehrere Finanzierungsrunden. In Bremen gibt es derzeit keine Venture-Capital-Unternehmen – diese sind jedoch wichtig, um die anstehenden Finanzierungsrunden abschließen zu können. Auf Basis eines Positionspapiers mit Vorschlägen zur Entwicklung des Start-up-Standorts Land Bremen, das die Handelskammer an die Landesregierung richtet, soll der Fokus insbesondere auf die Sichtbarkeit und die Finanzierung gelegt werden. Wichtige Punkte sind die Schaffung eines Bremer Start-up-Fonds, der Aufbau einer digitalen und überregionalen Start-up-Informationsplattform, die Entwicklung eines Programms zur Anwerbung internationaler und regionaler Start-ups sowie die generelle Verbesserung der Sichtbarkeit und der Kooperation.

Report Start-up- und Gründungsszene Bremen 2023
handelskammer-magazin.de/start-up-infos

Bild oben:
Das Team von Mir Detect zählt zu den Erfolgsgeschichten aus dem Bremerhavener Biotechnologiezentrum BioNord.
Foto: Antje Schimanke