Bauprojekte: Ambitionierte Pläne für Bremen

Lange Zeit ging es mit der Bremer Innenstadt nur langsam voran, während im Technologiepark, in der Airport-Stadt und in der Überseestadt viel gebaut wurde. Aktuell entwickelt sich jedoch eine Dynamik, die nicht nur massive Investitionen, sondern auch eine deutliche Belebung verspricht.

In den nächsten Jahren wird es staubig in der Bremer City. Die größte innerstädtische Baustelle Deutschlands – und vielleicht Europas – soll 2027 auf dem Areal des alten Horten-Gebäudes und des Parkhauses Mitte entstehen. Darum herum entwickeln sich zahlreiche weitere ambitionierte Projekte. „Im gesamten Land Bremen ist Aufbruchstimmung spürbar“, sagte Präses André Grobien bei der Vorstellung des Handelskammer-Jahresberichts (s. Seite 8). „Entscheidend für die Transformation der Innenstadt sind das Parkhaus-Mitte-Areal, das Horten-Gelände und das ehemalige C&A-Gebäude.“ Die Joh. Jacobs & Co. Gruppe investiere rund 100 Millionen Euro in das Balgequartier – „ein klares Bekenntnis zum Standort“, betonte Grobien. „Auch in Bremerhaven entstehen mit dem Novo, dem Werftquartier und dem Lunedelta zukunftsweisende Projekte.“

Ein Spaziergang von der Überseeinsel bis zur „Umgedrehten Kommode“ in Bremen bietet fast durchgängig einen Blick auf den Schauplatz eines geplanten oder bereits gestarteten Bauvorhabens, das die Stadt in den kommenden Jahren mit prägen wird. Die Liste ist lang: Kellogg’s-Gelände, Stephanitor, Brill, Hanseatenhof, C&A-Gebäude, Horten-Gebäude, Parkhaus Mitte, Domsheide mit Glocke und Postamt 1, Balgequartier mit Stadtmusikantenhaus, Umgedrehte Kommode, Hachez-Quartier. „Man merkt schon, da ist richtig viel Energie“, sagt Senatsbaudirektor Arend Bewernitz, der im Februar die Nachfolge von Iris Reuther antrat. Auch das Tabakquartier ist ein Beispiel für innovative, innenstadtnahe Stadtentwicklung.

Nutzung als Wohnraum eröffnet neue Perspektive

Eine übergreifende Erklärung für diese Ballung an großen Bauprojekten ist nicht zu finden, allerdings handelt es sich laut Bewernitz auch nicht um reinen Zufall. „Ein auslösender Faktor ist die allgemeine Beschäftigung in Deutschland mit der Frage, wie es mit den Innenstädten weitergeht“, sagt er. In Bremen sei bereits vor rund zehn Jahren ein wichtiger Hebel umgelegt worden, als der Bebauungsplan für die Innenstadt geändert wurde, um dort mehr Wohnraum zu ermöglichen. Im Anschluss seien Wettbewerbe gestartet und intensiv über das Areal um das Parkhaus Mitte diskutiert worden, aber dieser Elan sei durch Corona, die Folgen des Ukraine-Kriegs und die anschließende Energie-Krise erst einmal ausgebremst worden.

Der Handlungsdruck sei jedoch weiter gestiegen und die Projekte in der Zwischenzeit „gereift“, so Bewernitz. Die Stadt gründete das Projektbüro Innenstadt zur Verbesserung der Koordination und später die Brestadt GmbH, um Projekte auch selbst umsetzen zu können. Parallel sei auch der Preis des Horten-Gebäudes ausreichend gesunken, um einen Ankauf zu ermöglichen und die Entwicklung der Fläche zusammen mit dem Parkhaus-Areal zu planen. „Manchmal braucht es die richtigen Rahmenbedingungen“, sagt Bewernitz. Auch rund um das Sparkassengebäude am Brill habe es vor fünf Jahren große Unsicherheit gegeben, mittlerweile entwickelten sich dort jedoch vielfältige Bausteine wie Büros, Wohnungen und eine Berufsschule.

Stadt als Transformationsraum präsentieren

Angesichts der Vielzahl an Projekten werde es entscheidend sein, die Baustellenlogistik klug zu koordinieren, sagt Bewernitz. Beim Neubau der Bremer Landesbank am Domshof sei dies bereits hervorragend gelungen, auch vom Vorgehen im Tabakquartier mit einer effizienten „Wanderbaustelle“ lasse sich lernen. Ziel müsse sein, dass die Menschen nicht trotz der Baustellen in die Innenstadt kommen, sondern wegen ihnen, weil die Stadt als spannender Transformationsraum präsentiert wird. „Das ist eine Operation am Herzen der Stadt“, so Bewernitz. In der Hafencity in Hamburg seien beispielsweise mitwandernde Aussichtstürme und interessante Dokumentationen angeboten worden.

Auch bei der Bebauung des zentralen Innenstadtgeländes sollen die Bürgerinnen und Bürger eng eingebunden werden. Unter dem Titel „Butter bei die Zukunft“ lädt die Brestadt alle Interessierten dazu ein, sich aktiv in die Entwicklung des zukünftigen Nutzungskonzepts für das Horten-Areal einzubringen. Den Auftakt bildet ein öffentlicher Informationsabend am 9. April, an dem die Stadtentwicklungsgesellschaft über den Planungsprozess und die konkreten Möglichkeiten zur Mitwirkung informiert. Im Anschluss startet eine dreiwöchige Online-Umfrage, mit der weitere Perspektiven aus der Stadtgesellschaft eingeholt werden.

Gleichzeitig entwickeln sechs interdisziplinäre Planungsteams aus Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur gemeinsam mit relevanten Akteuren und Institutionen ihre Ideen für das Gelände. Zum Ende des Jahres 2026 soll klar sein, wie es weitergeht, damit die Arbeiten 2027 beginnen können. Bereits im November hatte der Senat beschlossen, das Horten-Gebäude komplett abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Ein Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass dieses Vorgehen einen größeren städtebaulichen, sozialen und ökologischen Nutzen biete als der Bestandserhalt oder eine Kombination aus Erhalt und Neubau.

Beim Parkhaus Mitte steht der Entwurf für den Neubau bereits fest. Das Münchner Architekturbüro Hild und K sieht einen großzügigen Innenhof vor, der als „zentrales Verteilerorgan“ für verschiedene Nutzungen dient. Auf rund 12.000 Quadratmetern vereint das neue Quartier Einzelhandel, Büroflächen, Gastronomie und Wohnen mit Konzepten wie dem „Creative Hub“ für Kreative und dem „Sharing Hub“ für gemeinschaftliche Nutzungen. Neben den Durchgängen in den Innenhof verfolgt der gewählte Entwurf darüber hinaus eine Stärkung der Querverbindung zwischen Kreyenstraße und der Kleinen Hundestraße.

brestadt.de

Bewerbung um Internationale Bauausstellung geplant

Vielfältige Impulse für das Land Bremen soll eine Bewerbung um die Ausrichtung der Internationalen Bauausstellung (IBA) bringen. Damit würde nicht nur zusätzliche Aufmerksamkeit auf die zahlreichen Projekte in Bremen und Bremerhaven gelenkt, sondern auch weiterer Anschub für innovative Vorhaben geliefert. Als Titel der Bewerbung ist aktuell „Land der Quartiere“ vorgesehen. Die IBA würde aufgrund ihres langen Vorlaufs erst in den 2030er Jahren nach Bremen kommen.