Azubi im Porträt: Lilly-Ann Hellmann, Gestalterin für visuelles Marketing

Ein Schaufenster ist wie eine kleine Theaterbühne: Es braucht die richtige Kulisse, das perfekte Licht und eine Story, die Passanten im Vorbeigehen fesselt. Lilly-Ann Hellmann (22) hat genau das gelernt. Nach dem Abitur hat sie sich für die Ausbildung zur Gestalterin für visuelles Marketing bei Leffers in Vegesack entschieden und kürzlich erfolgreich bestanden. Das Unternehmen Leffers betreibt fünf Modehäuser in der Region und beschäftigt insgesamt rund 700 Mitarbeitende.

„Gestalterin für visuelles Marketing“ – wie können wir uns diesen Beruf vorstellen?

Am Anfang war ich überrascht, wie körperlich anstrengend das sein kann. Man lernt eben nicht nur, welche Kleidung zusammenpasst, sondern auch Malern, Tapezieren, Böden verlegen und die richtige Elektronik für die Beleuchtung. Wenn wir drei Mal im Jahr die großen Schaufenster für die neuen Jahreszeiten komplett umbauen, ist das echt herausfordernd. Aber genau dieses Anpacken und Dekorieren macht unglaublich viel Spaß.

Wie viel eigene Kreativität dürfen Sie im Alltag einbringen?

Sehr viel! Wir haben große Freiheiten und sind nicht so streng an Vorgaben gebunden wie bei internationalen Ketten. Jedes Haus – ob in Oldenburg, Leer oder Vegesack – tickt anders und hat ein ganz eigenes Publikum. Wir kaufen im Frühjahr schon für den Winter ein, überlegen uns eine Story und legen los. Letzten Winter hatten wir zum Beispiel Leffers Noël – Das Haus des guten Geschmacks. Man erfindet eine eigene kleine Szenerie, die eine Geschichte erzählt.

Wie sieht ein typischer Tag im Store für Sie aus?

Der Tag beginnt mit dem morgendlichen Rundgang durchs Haus. Sitzt die Kleidung an den Figuren perfekt? Stimmen die Preisschilder? Gibt es irgendwo Staub? Wir stylen aber nicht nur Mode, sondern präsentieren auch Lifestyle-Artikel und haben dadurch auch viel Kundenkontakt. Inzwischen habe ich mich im Betrieb außerdem auf das Thema Social Media spezialisiert, erstelle Content und betreue unseren Account. Das macht mir so viel Spaß, dass ich in dem Bereich nach der Ausbildung unbedingt weiter tätig sein möchte.

Und in der Schule?

Der Unterricht in Bremen fand im Blockunterricht statt. Das hat mir super gefallen und war ein großer Unterschied zum Schulsystem zu Beginn meiner Ausbildung in Oldenburg. Da hatten wir zwei Berufsschultage in der Woche.

Sie haben Ihre Ausbildung gerade beendet und bestanden. Glückwunsch!

Danke schön! Ich habe vor der Prüfung ein bisschen schlecht geschlafen und gezittert, ob der Stoff und die Blumen reichen und ob ich in der Zeit fertig werde. Das Thema hieß „Fein verpackt“. Ich hatte eine Woche Zeit für das Konzept und habe mich für ein feminines, sinnliches Schaufenster entschieden: Zwei Figuren in feinen Spitzen-Dessous vor einer verspielten Rückwand mit Blumen in Puder-, Rosa- und Weißtönen. Ich hatte zunächst einen Tag zur Vorbereitung, also zum Streichen und Bespannen der Wände. Dann baut man das Fenster in der Schule über zwei Tage auf, die Prüfer sind dabei und schauen einem über die Schulter. Am letzten Tag folgt die Präsentation.

Geht man nach so einer Ausbildung eigentlich noch „ganz normal“ durch eine Einkaufsstraße?

Eher nicht. Man scannt sofort jedes Schaufenster in der Stadt ab. Ich schaue direkt: Ist die Ware gepflegt? Welche Inspirationen kann ich für uns mitnehmen und welche Warenwelt wird da gerade präsentiert? Man bekommt einen völlig neuen Blick.

Das Unternehmen:
leffers.de

Informationen zu allen Berufen im Bereich der Handelskammer:
ihk.de/bremen-bremerhaven/berufe

Ausbildungsberuf Fachkraft für visuelles Marketing:
handelskammer-magazin.de/visuelles-marketing

Ansprechpartner bei der Handelskammer:
ihk.de/bremen-bremerhaven/ausbildungsberatung