Immer mehr Unternehmen entdecken das Carsharing als Möglichkeit, Kosten und Aufwand für den eigenen Fahrzeugpool zu senken.
Ein einziger Firmenwagen für 25 Mitarbeitende und dennoch alle Kundentermine problemlos wahrnehmen können – für die Neusta Infrastructure Services GmbH funktioniert dies dank der Nutzung eines flexiblen Carsharing-Angebots. Das Unternehmen spart damit nicht nur die Anschaffungs- und Leasingkosten für neue Fahrzeuge, sondern auch den kompletten Aufwand für Wartung und Verwaltung. Der Umstieg im Januar 2022, als insgesamt sieben eigene Fahrzeuge abgegeben wurden, „hat sich für uns monetär absolut ausgezahlt“, berichtet Geschäftsführer Felix Vogt.
Das Unternehmen liegt damit im Trend, denn Carsharing hat sich seit den frühen 1990er Jahren von den ersten Nachbarschaftsinitiativen zu einem schnell wachsenden Angebot entwickelt, das zunehmend von der Wirtschaft genutzt wird. „Die Wahrnehmung im gewerblichen Bereich hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert“, berichtet Lasse Schulz, Geschäftsführer von Cambio Bremen. „Früher war Carsharing eher bei kleinen Unternehmen und Selbstständigen verortet. Inzwischen werden wir auch von deutlich größeren Kunden wahrgenommen.“
160.000 Kunden in 50 deutschen Städten
Das Geschäft von Cambio mit privaten und geschäftlichen Nutzern wächst schon seit langem jährlich im zweistelligen Bereich. Allein in Bremen verfügt das Unternehmen inzwischen über mehr als 700 Fahrzeuge und 33.000 Kunden, deutschlandweit sind es 2.700 Autos und 160.000 Kunden in rund 50 Städten. Hinzu kommen ungefähr genauso viele Fahrzeuge in Belgien. Die Dachgesellschaft mit Sitz in der Bremer Humboldtstraße beschäftigt gemeinsam mit Cambio Bremen 160 Mitarbeitende und übernimmt für ihre Töchter zentrale Aufgaben wie die Bereitstellung von Software, die Buchhaltung und die Fahrzeugbeschaffung. „Bremen spielt in der Carsharing-Welt eine große Rolle“, so Schulz.
Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen, denn der Netzwerkeffekt gibt Rückenwind: Je mehr Kunden dazukommen, desto mehr Stationen können eingerichtet werden. Und je mehr Stationen es gibt, desto mehr Nutzerinnen und Nutzer melden sich an, weil sie plötzlich ein Angebot direkt vor der Haustür haben. Eine Studie aus dem letzten Jahr hat laut Schulz ergeben, dass ein Carsharing-Auto in Bremen im Durchschnitt 18,8 private Fahrzeuge ersetzt – der höchste Wert in Deutschland. Dennoch sei bei der Einrichtung einer neuen Station zunächst oft Überzeugungsarbeit zu leisten, weil der knappe Parkraum für die Anwohner auf den ersten Blick weiter zu schrumpfen scheint. „Man sieht erstmal nur die Station“, sagt Schulz. „Man sieht nicht die Autos, die da nicht mehr stehen, weil sie abgeschafft werden.“
Optimierungspotenzial in fast jedem Fahrzeugpool
Aktuell wird die Nachfrage durch die Energiekrise zusätzlich beflügelt. „Die Menschen gucken genauer hin: Was kostet mich ein Auto?“, sagt Schulz. Seine Faustregel: Wenn jemand weniger als 12.000 Kilometer pro Jahr fährt, ist Carsharing billiger. Für Unternehmen kommen noch weitere Faktoren ins Spiel, aber ein Effizienzgewinn ist laut Schulz fast immer möglich, sofern es nicht um Außendienstler mit einer sehr hohen Fahrleistung geht. „Ich habe noch keinen Fahrzeugpool analysiert, bei dem ich nicht sagen konnte: Wenn Sie soundso viele Fahrzeuge abschaffen, verspreche ich Ihnen, dass Sie mit uns günstiger sind“, sagt er. „Mindestens ein Viertel jedes Fuhrparks lässt sich durch Cambio günstiger ersetzen – bei vielen Unternehmen am Ende fast der gesamte Pool.“
Die Umstellung kann im Alltag auch viel Zeit sparen, weil die Mitarbeitenden nicht zum Arbeitsplatz kommen müssen, um ein Auto zu nutzen – sie können einfach eins an der nächsten Carsharing-Station aufgreifen, darunter eine wachsende Zahl an Elektrofahrzeugen. Cambio kooperiert mit zwei anderen großen deutschen Anbietern, Teilauto im Osten und Stadtmobil im Süden, sodass die Kunden auch deren Fahrzeuge nutzen können. Darüber hinaus bietet Cambio in den zentralen Bremer Stadtteilen seit 2020 unter dem Namen Smumo das sogenannte Freefloating-Modell an. Diese Autos – zurzeit insgesamt 130 – können spontan aufgegriffen werden, wo sie gerade stehen.
Neue Station vor dem Firmensitz
Für Neusta Infrastructure Services ist diese Flexibilität optimal, weil der Bedarf an Fahrzeugen schwankt. Die meisten Fahrten der Mitarbeitenden führen auf kurzen Strecken durch Bremen. Hinzu kommen gelegentlich längere Strecken, beispielsweise nach Hamburg oder Köln, sowie der Transport von IT-Equipment wie Serverkomponenten oder Monitoren.
Der eigene Fahrzeugpool sei dafür wirtschaftlich keine gute Lösung gewesen, sagt Geschäftsführer Vogt. „Die Autos standen oft ungenutzt auf dem Parkplatz – trotzdem haben sie jeden Monat Kosten verursacht.“ Während der damalige Fuhrpark monatlich insgesamt rund drei- bis viertausend Euro gekostet habe, zahle das Unternehmen nun im Durchschnitt jeden Monat nur noch rund 200 bis 400 Euro fürs Carsharing, erklärt er. Cambio habe beim Start sogar dafür gesorgt, dass vor dem damaligen Firmensitz eine Station eingerichtet wurde. Mitarbeitende des Unternehmens haben zudem die Möglichkeit, ein privates Carsharing-Budget zu nutzen.
„Wir haben gemerkt, dass wir keinen eigenen Fuhrpark brauchen, um mobil zu sein“, so Vogt. „Für uns ist es deutlich sinnvoller, Fahrzeuge genau dann zu nutzen, wenn wir sie wirklich benötigen.“
neusta-is.de
cambio-carsharing.de
Neunte Cambio-Station für die Bremer Innenstadt
Anfang August eröffnet im Parkhaus Katharinenklosterhof am Schüsselkorb die neunte Carsharing-Station von Cambio in der Innenstadt. „Viele Unternehmen brauchen Autos, aber Stellplätze in der Innenstadt sind teuer“, sagt Cambio-Bremen-Geschäftsführer Lasse Schulz. Carsharing könne eine Möglichkeit sein, den Mobilitätsbedarf ohne eigene Fahrzeuge zu decken – besonders angesichts des wachsenden Drucks auf den Parkraum durch den Abriss des Parkhauses Mitte.
Bild oben:
Felix Vogt (l.), Geschäftsführer der Neusta Infrastructure Services GmbH, und Lasse Schulz, Geschäftsführer von Cambio Bremen, mit Elektrofahrzeugen des Carsharing-Unternehmens.
Foto: Karsten Klama