Sommerempfang des Einzelhandels: Fairer Wettbewerb mit globalen Plattformen gefordert

Unter dem Motto „Der Handel – Zwischen globalen Verwerfungen und regionalen Herausforderungen“ lud die Handelskammer Bremen Anfang Juni zum Sommerempfang des Einzelhandels in die Kunsthalle Bremen ein. Im Mittelpunkt standen zwei Kernforderungen der Handelskammer: Ein faires „Level Playing Field“ im internationalen Wettbewerb sowie der Abbau überbordender Bürokratie, die gerade kleine und mittlere Unternehmen zunehmend belastet.

Nach der Begrüßung durch Präses André Grobien und Vizepräses Stephan Schulze-Aissen führte Impulsredner Dirk Binding von der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) in das Thema ein. Unter der Moderation von Yana Gebhardt diskutierten anschließend Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, Viktoria Theoharova, Stefan Brockmann, Prof. Martina Harms und Dirk Binding über die Zukunft des Handels, der Bremer Innenstadt und der Quartiere. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Ensemble „Arcano“ der Bremer Philharmoniker.

Globaler Wettbewerb, lokale Folgen

Deutlich wurde: Globale Plattformen wie Amazon, Shein oder Temu verändern Konsumverhalten, Wertschöpfungsketten und Wettbewerbsbedingungen in rasantem Tempo. Während internationale Konzerne von Skaleneffekten und teilweise erleichterten Rahmenbedingungen profitieren, kämpfen lokale Händlerinnen und Händler mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen, aufwändigen Nachweispflichten und komplexen gesetzlichen Vorgaben.

Die Forderung aus der Runde: Gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer – unabhängig davon, ob sie in der Bremer Innenstadt, in den Quartieren oder auf einer Plattform in Fernost aktiv sind. Ein faires „Level Playing Field“ wurde als zentrale Voraussetzung gesehen, um die Wettbewerbsfähigkeit des stationären Handels zu sichern.

Bürokratie als Bremsklotz

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Bürokratie. Viele der aktuell und in Kürze geltenden Regelungen werden im Einzelhandel als unverhältnismäßig, kostenintensiv und oftmals wenig praxistauglich erlebt. Entlastung, so der Tenor, müsse dort ansetzen, wo Regeln keinen erkennbaren Mehrwert stiften, sondern lediglich Kapazitäten binden, die im operativen Geschäft fehlen.

Gerade der Mittelstand brauche verlässliche Rahmenbedingungen statt immer neuer Berichtspflichten, so die Diskussionsteilnehmenden. Der Handel wurde dabei nicht als Sorgenkind der Wirtschaft beschrieben, sondern als ein Bereich, der Investitionen tätigt, sich modernisiert und zur Belebung von Innenstädten und Quartieren beiträgt.

Innenstadt und Quartiere als Gemeinschaftsaufgabe

Neben den globalen Fragen wurden die regionalen Herausforderungen klar benannt: Sicherheitsaspekte, die Auswirkungen regelmäßiger Demonstrationen auf Besucherströme, Erreichbarkeit aus dem Umland, die Qualität der Infrastruktur sowie die wachsende Verunsicherung vieler Betriebe hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Perspektiven – sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtteilen. Zugleich wiesen die Teilnehmenden darauf hin, dass in Bremen beim Thema Innenstadt bereits verschiedene Initiativen angestoßen wurden. Künftig werde es darauf ankommen, die unterschiedlichen Akteure weiter einzubinden.

Trotz aller kritischen Punkte überwog am Ende die Zuversicht. Aus den Beiträgen der Diskutierenden und den Gesprächen am Rande des Empfangs sprach die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich weiter mit den anstehenden Fragen auseinanderzusetzen. Zugleich wurde deutlich, dass es dafür auch eine optimistischere Grundhaltung braucht – ansonsten drohe die Debatte steckenzubleiben, statt die bestehenden Spielräume für Handel, Innenstadt und Quartiere aktiv zu nutzen.

Bild oben:
V.l.: Dirk Binding (DIHK), Viktoria Theoharova (My Huddy), Prof. Martina Harms (Hochschule Bremen), Stefan Brockmann (Brockmann Design GmbH & Co. KG sowie City Initiative Bremen), Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, Moderatorin Yana Gebhardt.
Foto: Karsten Klama