Statistischer Jahresbericht 2025: Positive Signale in schwierigem Umfeld

Im Land Bremen hat sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr besser entwickelt als im Bund. Maßgeblich dafür war ein deutliches Wachstum in der bremischen Industrie, wobei Impulse vor allem aus der Verteidigungswirtschaft, der Luft- und Raumfahrt und den Häfen kamen. Dem gegenüber standen strukturelle Probleme und aktuelle Herausforderungen, die den Aufschwung bremsten.

Es war ein Jahr der Gegensätze – so fasste Handelskammer-Präses André Grobien bei der Vorstellung des Statistischen Jahresberichts 2025 das abgelaufene Jahr aus Sicht der bremischen Wirtschaft zusammen. Positiv hob er gleich zu Beginn hervor, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt im Bundesland Bremen 2025 um 1,4 Prozent zugenommen hat. Die gesamtdeutsche Wirtschaft erreichte in dieser Zeit lediglich ein leichtes Plus von 0,2 Prozent und blieb damit das dritte Jahr in Folge ohne nennenswertes Wachstum.

Trotz der in Bremen überdurchschnittlich guten Entwicklung sei 2025 auch für die hiesige Wirtschaft kein einfaches Jahr gewesen, hob Grobien hervor. „Wir sind hier Teil eines gesamtwirtschaftlichen Marktes in Deutschland, Europa und der ganzen Welt“, sagte er und verwies unter anderem auf den Krieg in der Ukraine, die handelspolitischen Unsicherheiten mit den USA, wachsende Spannungen mit China sowie die mehrmonatige Sperrung der Straße von Hormus. „Die geopolitische Lage hat sich grundlegend verändert und bringt neue Risiken mit sich. Das beeinflusst uns als Außenhandelsstandort mit stark exportorientierter Industrie besonders.“

Licht und Schatten

Die Antwort auf die veränderte internationale Lage müsse in Europa beginnen, betonte der Präses: „Die Wettbewerbsfähigkeit muss wieder Vorrang haben.“ Zugleich bringe die aktuelle Situation auch Chancen für die bremische Wirtschaft mit sich. Für Europa würden Verteidigung, Energiesicherheit und resiliente Lieferketten in den Fokus rücken, wovon der Norden und konkret das Land Bremen profitierten. So habe es hier im vergangenen Jahr bereits kräftige Impulse aus der Verteidigungswirtschaft, der Luft- und Raumfahrt sowie aus den Häfen als Logistikdrehscheibe gegeben.

Mehrere Großprojekten vesprechen zukünftig weitere Impulse. „Der Bund stellt 1,35 Milliarden Euro aus dem Verteidigungshaushalt für die bremischen Häfen bereit, und auch die angekündigte Milliarden-Investition von Maersk und Eurogate ist ein starkes Signal für Bremen und für den Hafenstandort Bremerhaven“, so Grobien. Als weitere wichtige Schlaglichter benannte er unter anderem die Kooperation von OHB und Rheinmetall bei der Entwicklung von Militärsatelliten sowie die jüngsten Erfolge des Bremer Start-ups Polaris, das für die Bundeswehr Hyperschallflugzeuge baut.

Für Aufbruchstimmung sorgen nach Aussage des Präses zudem die zahlreichen Bauprojekte, die in Bremen und Bremerhaven anstehen, zum Beispiel die Neugestaltung des ehemaligen Areals der Norddeutschen Steingut AG in Bremen-Nord, die geplante Transformation der Bremer Innenstadt sowie in Bremerhaven die Entwicklung des früheren Karstadt-Areals, des Werftquartiers und des Lunedeltas.

Sorgen bereite hingegen die internationale Erreichbarkeit des Standorts. „Gemeinsam mit vielen Partnern aus dem gesamten Nordwesten werden wir als Handelskammer weiter dafür kämpfen, dass die Lufthansa die zum 1. Juli eingestellte Flugverbindung zwischen Bremen und Frankfurt wieder aufnimmt“, kündigte Grobien an. Mit Blick auf die Bundespolitik forderte er schnelle und mutige Strukturreformen. „Was die Unternehmen jetzt erwarten, sind konkrete Entlastungen bei Energiekosten, Bürokratie und Arbeitskosten. Wir brauchen Fortschritte statt weiterer Ankündigungen.“

„Stärker auf wachstumsfördernde Investitionen setzen“

Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, begann seine Ausführungen anschließend mit einem kritischen Blick auf die bremischen öffentlichen Haushalte. „Wir bedauern es sehr, dass auch 2025 wieder ein Anstieg der konsumptiven Ausgaben erfolgt ist“, stellte er fest. Die Folge: eine Investitionsquote von nur noch zehn Prozent. „Das ist so wenig wie seit 2016 nicht mehr“, so Fonger. „Angesichts der vielfältigen Herausforderungen halten wir das für viel zu wenig. Darum appellieren wir an den Senat, die Prioritäten viel stärker auf wachstumsfördernde Investitionen zu setzen.“

Die im Bundesvergleich überdurchschnittlich gute konjunkturelle Entwicklung in Bremen sei mit einem Umsatzplus von 7,8 Prozent vor allem von der Industrie getragen worden, berichtete der Hauptgeschäftsführer. Allerdings hätten sich die bereits erwähnten Impulse aus den Investitionen in Sicherheit und Verteidigung vor allem im ersten Halbjahr gezeigt: Zum Jahresende habe die Dynamik schon wieder nachgelassen. Vergleichsweise positive Kennzahlen kamen 2025 auch aus den bremischen Häfen, wo der Gesamtumschlag um 5,4 Prozent zunahm. Der Containerumschlag wuchs in TEU um 10,3 Prozent, während die Zahl der verschifften Fahrzeuge mit minus 0,1 Prozent auf dem Vorjahresniveau blieb.

Weniger positiv gestaltete sich die Lage im vergangenen Jahr für das Baugewerbe, wo im Wohnungsbau 16,1 Prozent weniger Baugenehmigungen erteilt wurden als im Vorjahr und die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sogar um 29,1 Prozent zurückging. Als durchwachsen bis negativ bezeichnete Fonger auch die Rückmeldungen aus Einzelhandel, Groß- und Außenhandel, Verkehrs- und Logistikwirtschaft, Gastronomie sowie sonstigen Dienstleistungen.

Mit Blick auf das laufende Jahr berichtete er, dass die Erwartungen der Wirtschaft zu Jahresbeginn noch durchaus hoffnungsvoll gewesen seien. „Der Krieg in Iran hat dann aber das zarte Pflänzchen des Aufschwungs leider schnell wieder kaputt gemacht.“ Auch die bremischen Unternehmen würden laut aktueller Konjunkturumfrage nun wieder deutlich sorgenvoller auf ihre Geschäftsentwicklung blicken. „Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung jetzt bei den großen Reformthemen gute Lösungen bietet“, betonte Fonger.

Der Statistische Jahresbericht steht hier als PDF zum Download bereit:
handelskammer-magazin.de/staja2025