Novo: Effizienter bauen durch gemeinsame Anreize

Öffentliche Großprojekte leiden oft unter explodierenden Kosten und massiven Verzögerungen. Bremerhaven hat einen Weg gefunden, diese Risiken deutlich zu minimieren.

Beim Bau des „Novo“ auf dem ehemaligen Karstadt-Areal nutzt die Seestadt wieder das IPA-Verfahren, das sich bereits beim Bau von Schulen bewährt hat. Das Modell wird in Skandinavien seit vielen Jahren eingesetzt, in Deutschland aber sehr selten.

Bei klassischen Bauprojekten entstehen Probleme oft aufgrund der zersplitterten Zuständigkeiten. Bauherr, Architekten und Bau-ausführende Betriebe schließen Einzelverträge, die Koordination ist schwierig und die Verantwortung für Fehler wird gerne weitergereicht. Das IPA-Verfahren („integrierte Projektabwicklung“) erhöht dagegen die Anreize für ein konstruktives Miteinander. Alle Schlüsselbeteiligten unterzeichnen einen gemeinsamen verbindlichen Mehrparteienvertrag und bilden eine Projektallianz auf Zeit.

Das Modell erfordert einen hohen Koordinationsaufwand zu Beginn des Projekts, denn das Vorgehen und die Kosten werden gemeinsam geplant. In dieser Phase befindet sich aktuell das Novo: Am 22. Januar unterzeichneten die Beteiligten den Vertrag für die Teilnahme am IPA-Verfahren, nun feilen sie zusammen an den Entwürfen und kalkulieren die genauen Kosten – eine Aufgabe, die durch die Folgen des Iran-Kriegs nicht leichter geworden ist. Gebaut werden soll das Novo Bremerhaven zwischen 2027 und 2029. Im Januar lag die Kostenschätzung bei rund 75 Millionen Euro. Bauherr ist die städtische Gesellschaft Stäwog in Zusammenarbeit mit der BIS Bremerhaven.

Ein wesentlicher Bestandteil des IPA-Verfahrens ist dessen Digitalisierung. Mit Hilfe des „Building Information Modeling“ (BIM) erstellen die Partner ein virtuelles 3D-Gebäudemodell. Dieser „digitale Zwilling“ speichert alle geometrischen und technischen Daten. Wenn die Pläne verschiedener Parteien nicht zusammenpassen, fällt das auf diese Weise auf, bevor der Bau begonnen hat. Auch die spätere Instandhaltung lässt sich deutlich günstiger planen und umsetzen.

Vorbild für das Vorgehen beim Novo ist die „Allianz 3 Schulen Bremerhaven“, das erste öffentliche IPA-Projekt in Deutschland. Innerhalb von vier Jahren wurden drei moderne Schulbauten im vorgesehenen Kosten- und Zeitrahmen fertiggestellt.

Bild oben:
Das Novo soll ein Anziehungspunkt mit hoher Aufenthaltsqualität im Bremerhavener Zentrum werden.
Visualisierung: Baulampe Architekten