Azubi im Porträt: Olha Khomyk, Kauffrau für Büromanagement

Die BHK Tief- und Rohrbau GmbH & Co. KG beschäftigt an mehreren Standorten in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen insgesamt rund 250 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist Teil der Seier-Gruppe, die ihren Fokus auf den Infrastrukturbau legt. Seit August 2025 ist die Ukrainerin Olha Khomyk (40) als Auszubildende im Büromanagement am Bremer Standort in Hemelingen mit an Bord.

Frau Khomyk, was haben Sie in Ihrer Heimat, der Ukraine, beruflich gemacht?

Ich habe eine Ausbildung als Buchhalterin abgeschlossen und Geschichte sowie Recht auf Lehramt studiert. Danach habe ich als Schulsekretärin gearbeitet, später als Lehrerin und zuletzt im Sozialamt als Beraterin. Mit Beginn des Krieges musste ich mein Land verlassen und kam nach Deutschland.

Warum kam eine Tätigkeit als Lehrerin hier nicht infrage?

Die Anerkennung meines Studiums würde viele Jahre dauern, weil sich das Bildungssystem stark unterscheidet. Ich wollte nicht so lange warten, sondern schnell wieder arbeiten und mir eine Zukunft aufbauen. Zunächst habe ich aber eine Sprachschule besucht.

Und wie sind Sie auf die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement gekommen?

Ich habe schon viel im Büro gearbeitet und kannte Verwaltungsabläufe und das Rechnungswesen. Deshalb fühlte sich dieser Beruf vertraut an. Gleichzeitig bietet er mir die Chance, Neues zu lernen.

War es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden?

Es hat ein paar Monate gedauert. In der Ukraine läuft das ganz anders: Man macht zuerst die Ausbildung und sucht danach eine Stelle. Bewerbungen mit Lebenslauf und Anschreiben kannte ich nicht. Einige Dokumente waren durch den Krieg verloren gegangen. Ich musste erst lernen, wie das System hier funktioniert.

Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?

Meine Motivation. Ich wollte unbedingt wieder beruflich aktiv sein. Außerdem habe ich hier Freunde gefunden, die mir beim Schreiben der Bewerbungen geholfen und mich unterstützt und inspiriert haben.

Für die Ausbildung sind Sie umgezogen und pendeln nun aus dem Landkreis Cloppenburg zur Arbeit. Wie haben Sie Ihren Start im Unternehmen erlebt?

Sehr positiv. Ich wurde freundlich aufgenommen und bekomme viel Unterstützung. Mein Chef nimmt sich Zeit für mich, erklärt alles und gibt Feedback. Ich habe das gute Gefühl, dass ich hier nicht allein bin.

Wie fühlt es sich an, in der Berufsschule mit deutlich jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern zu lernen?

Das ist eigentlich schön. Die Jüngeren bringen Energie mit, ich bringe Ruhe. Ich weiß genau, warum ich hier bin, und nehme die Ausbildung sehr ernst.

Was fällt Ihnen aktuell am schwersten?

Die deutsche Sprache — besonders Fachbegriffe oder komplexe Sätze. Im Alltag verstehe ich vieles, aber manchmal brauche ich noch Zeit. Ich übe jeden Tag und merke, dass es besser wird.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich komme morgens ins Büro, öffne meine E-Mails und beginne mit Rechnungen oder anderen Dokumenten. Vieles mache ich noch nicht allein, sondern unter Anleitung. Meine Arbeit wird kontrolliert, und ich bekomme Rückmeldungen. So lerne ich Schritt für Schritt. Außerdem kann ich mich immer mit dem Team austauschen.

Gab es schon Momente, die Sie besonders stolz gemacht haben?

Ja, zum Beispiel, wenn ich ein Lob bekomme. Ein Lehrer hat einmal gesagt, mein schriftlicher Ausdruck sei „wunderbar“, das hat mich sehr gefreut. Auch wenn mein Chef mir vertraut, bin ich stolz. Dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Nach der Ausbildung möchte ich als Bürokauffrau arbeiten und mich weiterentwickeln. Für mich ist das eine wichtige Grundlage, um hier dauerhaft anzukommen.

Was möchten Sie anderen Zugewanderten mit auf den Weg geben?

Viele haben Angst wegen der Sprache. Ich würde sagen: Man darf sich davon nicht aufhalten lassen. Üben hilft, und man muss mutig sein.

Und welche Tipps haben Sie für Unternehmen?

Es wäre gut, direkt in Sprachschulen über Ausbildungsangebote zu informieren. Dort sind viele motivierte Menschen, die arbeiten wollen, aber das deutsche System noch nicht kennen. So könnte man sie besser erreichen.

Weitere Informationen

Das Unternehmen:
bhk-rohrbau.de

Informationen zu allen Berufen im Bereich der Handelskammer:
ihk.de/bremen-bremerhaven/berufe

Ausbildungsberuf Bürokauffrau:
handelskammer-magazin.de/buerokauffrau

Ansprechpartner bei der Handelskammer:
ihk.de/bremen-bremerhaven/ausbildungsberatung

Das Bildungswesen in der Ukraine:
iab-forum.de/berufliche-bildung-in-der-ukraine-ein-ueberblick/

Bild oben:
Die Ukrainerin Olha Khomyk freut sich über die Chance, in Bremen eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolvieren zu können. Sie rät Unternehmen, Interessierte schon in den Sprachschulen auf sich aufmerksam zu machen.
Foto: Jörg Sarbach